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StandPunkt: Aussichten und Visionen für die Schweizer Geflügelproduktion

StandPunkt von Robert Raval, Präsident Schweizer Geflügelproduzenten

· Tierhaltung
StandPunkt von Robert Raval, Präsident Schweizer Geflügelproduzenten

Hat Geflügelproduktion in der Schweiz Zukunft? Diese Frage stellte ich mir schon vor 30 Jahren. Die grossen Investitionen damals waren begleitet von hohen Zinsen (7, 25 Prozent). Einen Absatzvertrag gab es lediglich für fünf Jahre, ohne Preisgarantie.

 

Die Geflügelfleisch-Produktion war eine unbekannte Produktion für mich und meine Familie. Wir investierten in etwas Unbekanntes. Es war Neuland auf unserem Betrieb. Wir fühlten uns wie Pioniere. Es gab schon damals grossen Widerstand gegen unser Bauvorhaben, und zudem auch in unserem Bekannten- und Verwandtenkreis. Trotzdem haben wir in diesen Betriebszweig investiert und haben es bis heute noch keinen Tag bereut. Die längerfristige Zukunft unseres Betriebes konnte mit dem neuen Betriebszweig Pouletproduktion gesichert werden.

 

Aus meiner Sicht sind die Aussichten für das Schweizer Geflügelfleisch nach wie vor gut. Wir durften in den letzten Jahren einen steten, moderaten Konsumzuwachs feststellen. Erst im letzten Jahr schwächte sich dieser vorübergehend etwas ab.

 

Geflügel erfreut sich aber längerfristig weiterhin grosser Beliebtheit. Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz beträgt knapp 12 Kilo Geflügelfleisch pro Jahr. Im Vergleich essen die Deutschen 20 Kilo und alle Europäer im Durchschnitt 22 Kilo. Das zeigt doch, dass wir in der Schweiz in den nächsten Jahren noch Konsumpotenzial haben.

 

Der Inland-Anteil am gesamten Geflügelfleischkonsum beläuft sich mittlerweile auf 58 Prozent. Dieser hat sich dank unseren Familienbetrieben, den Haltungsbedingungen und offener Kommunikation stetig erhöht. Dies, obwohl viel günstigere Import-Produkte in jedem Laden neben unseren Schweizer Poulets liegen. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung wird weiterhin Inland-Produkte bevorzugen, weil wir den Wünschen und Vorstellungen unserer Konsumenten Folge leisten.

 

Selbstverständlich ist auch unser Betriebszweig, wie alle Lebensmittel, nicht vor Krisen gefeit. Erinnern wir uns an die Krise wegen der Vogelgrippe. Diese war nicht vorhersehbar. Aber gerade in solchen Situationen sind die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen Produzenten, Vermarkter und Verkäufer entscheidend. Mit dem Beitrag aller konnte der Markt damals recht schnell wieder ins Lot gebracht werden.

 

Meine Vision für die Zukunft unseres Geflügelfleischmarktes ist weiterhin positiv – er wird sich ausgeglichen weiterentwickeln. Das gute Image des Schweizer Geflügels 


beim Konsumenten werden wir pflegen und erhalten. Die integrierte Produktion gibt uns und unseren Vermarktern die Möglichkeit, den Zuwachs den Absatz-Möglichkeiten entsprechend anzupassen.


Dank gegenseitigem Respekt und Vertrauen strebt jeder Produzent mit seinem Vermarkter (und umgekehrt) eine erfolgversprechende Zukunft an. Als Summe resultiert eine zukunftsorientierte Schweizer Geflügelfleisch-Produktion – und damit weiterhin ein guter und zuverlässiger Betriebszweig auf unseren Betrieben.

StandPunkt im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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