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Quinoa findet in der Schweiz eine neue Heimat

Stefan Brunner baut auf dem Eichhof in Spins BE 2018 zum vierten Mal Quinoa an

· Pflanzenbau
Stefan Brunner baut auf dem Eichhof in Spins BE 2018 zum vierten Mal Quinoa an. Das Anden-Korn ist eine anspruchsvolle Pflanze. Wirtschaftlich lohnt sich der Anbau für den erfinderischen Landwirt im Berner Seeland.

Stefan Brunner baut auf dem Eichhof in Spins BE 2018 zum vierten Mal Quinoa an. Das Anden-Korn ist eine anspruchsvolle Pflanze. Wirtschaftlich lohnt sich der Anbau für den erfinderischen Landwirt im Berner Seeland.

Der Eichhof liegt mitten in einer idyllischen Landschaft im «Seeland Oberland» im Frienisberg-Gebiet. Das Dorf Spins gehört zur Gemeinde Aarberg. Das Gebiet ist von kleinen Weilern, Bauernhöfen und Feldern durchsetzt. 2010 hat Stefan Brunner den Eichhof von seinen Eltern in der sechsten Generation übernommen. Er hat den Betrieb auf Bio umgestellt.

Brunner arbeitet nach zwei Grundgedanken: Zum einen will er mit 
dem ökonomisch Möglichen möglichst ökologisch wirtschaften. Zum anderen will er möglichst nichts gewöhnlich machen.

Der Erfindergeist des Betriebsleiters kann auf dem Eichhof frei gedeihen. So ist auf dem Hof ein «Jät-Ferrari» entstanden. Dieser hilft, die langen Jätarbeiten erträglich und effizient zu gestalten. Die Neugierde, Neues auszuprobieren, spielt auf dem Hof eine grosse Rolle. Quinoa ist eine Frucht dieser Neugierde. Auf dem Eichhof wird etwa Oca (knolliger Sauerklee) und Amaranth angebaut. Dazu kommen zukunftsgerichtete (Direktvermarktungs-)Aktivitäten wie Bionär.ch, vombiohof.ch oder lohnjäterei.ch.

«Quinoa auf dem Hof anzubauen, war ein Bauchentscheid», erzählt Stefan Brunner. Ein Praktikant, der sich sehr für alternative Ernährungsformen interessierte, habe ihn auf das «Korn der Anden» aufmerksam gemacht.

Begonnen hat der Anbau vor rund vier Jahren. Die Ergebnisse waren jedes Jahr unterschiedlich. Der Anbau ist alles andere als einfach. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung ist dabei das Wetter. Quinoa wird von März bis April gesät. Wenn der Bestand zu lückenhaft ist, baut Brunner im Mai noch Hirse, Mais oder Lagergemüse an. Nasskaltes Wetter wie im Sommer 2016 führt zu grossen Ernteverlusten. Weil die Körner sehr klein sind, ist die Saattechnik anspruchsvoll. Mit einer Gemüse-Sämaschine kann Abhilfe geschafft werden.

Problematisch ist die Spät-Verunkrautung der Kultur sowie die Verschmutzung der Samen bei der Ernte. Zudem gestaltet sich die Logistik, vor allem im Zusammenhang mit den Mühlen als Abnehmer harzig.

Aktuell werden eher kleinere Mengen an Quinoa biologisch angebaut und geerntet. Die Mühlen nehmen Kleinstmengen nicht an und sind auch nicht mit den entsprechenden Reinigungssieben ausgerüstet.

Das Bio-Quinoa hat sich ab Hof sehr gut verkauft, die Kunden schätzen die Qualität

 

Quinoa, das buschige, rot- oder weissblühende Pseudo-Getreide, wird in der Schweiz in Zusammenarbeit mit Landwirten, IP Suisse oder Biofarm sowie in Anbauversuchen mit der Forschungsanstalt Agroscope getestet. 


Mittlerweile sind Sorten für den Bio- und den konventionellen Anbau erhältlich. Für beide Anbauformen werden dieselben Sorten getestet. Dies sind europäische und frühreife Sorten.


«Das Potenzial für Bio-Quinoa aus der Schweiz ist riesig», sagt Stefan Brunner. Allein im Jahr 2017 wurden gemäss der Statistik der eidgenössischen Zollverwaltung 858 Tonnen Quinoa importiert. In der Schweiz wurden 2018 rund 60 ha Quinoa nach IP Suisse angebaut. 
Das ergibt einen Ertrag von 80 bis 100 Tonnen.


Quinoa sei bei den Konsumierenden auf grosse Nachfrage gestossen, erzählt der Betriebsleiter. Im ersten Jahr seien 100 Kilogramm Quinoa geerntet und in 300 Gramm-Säckchen abgefüllt worden. Das direkt vermarktete Pseudo-Getreide verkaufte sich sehr gut. «Leute, die unser Bio-Quinoa ab Hof kaufen, sind auch bereit, einen fairen Preis zu bezahlen», sagt Stefan Brunner. Denn die Kunden seien sich bewusst, dass das einheimische Bio-Quinoa unter anderen Bedingungen produziert wird als Importware.


Der Anbau von Schweizer Bio-Quinoa lohnt sich. Brunners Berechnungen sind noch provisorisch und beruhen auf wenigen Erfahrungsjahren, zudem vermarktet er das Pseudo-Getreide direkt. Er stellt dem Ertrag die Aufwände gegenüber: für Saatbett-Bereitung, Düngung, Hacken, Striegeln, Ernte. Abgezogen wird noch der Aufwand für die Reinigung und die Aufbereitung. Das Preisniveau ist ähnlich wie bei anderen Getreide-Spezialkulturen (z. B. Senf, Buchweizen, Leinsamen).


Die Quinoa-Körner enthalten je nach Sorte den Bitterstoff Saponin in der Schale


Quinoa enthält je nach Sorte Saponine. Diese Bitterstoffe sitzen in der Schale. Importiertes Quinoa ist – wie Reis – stets geschliffen. Brunners testen auch saponinfreie Sorten. Diese Sorten werden dann wie Vollkorn gegessen. Auf dem Eichhof wird das geerntete, saponinfreie Quinoa komplett selber aufbereitet. Stefan Brunner ist es sehr wichtig, diesen Schritt der Wertschöpfung auf dem Hof zu behalten. Zusätzlich wird auch anderes Getreide oder Linsen von anderen Landwirten gereinigt.

Das saponinhaltige Quinoa, das Brunners ebenfalls anbauen, gelangt nach der Ernte zu einer Annahmestelle und von dort zur Genossenschaft Biofarm in Kleindietwil BE. Biofarm koordiniert die Aufbereitung und den Vertrieb im Biofachhandel.


Stefan Brunner wünscht sich ein gleichbleibendes Preisniveau, damit sich Quinoa-Anbau lohnt

Quinoa hat Potenzial als attraktives Nischenprodukt. Dafür spricht laut Stefan Brunner einerseits die gute Zahlungsbereitschaft der Kunden sowie das Bewusstsein für gute Ernährung. Zum anderen begünstige das wärmer werdende Wetter den Anbau.
 
Es sei wichtig, das Preisniveau auf einem möglichst gleichbleibenden Level zu halten, damit sich der Anbau des hochwertigen Korns auch in Zukunft lohnt, so Stefan Brunner.


Potenzial sieht der Betriebsleiter des Eichhofs in der Weiterentwicklung des Anbaus und der Saat- bzw. Erntetechnik von Quinoa. Der Austausch darüber erfolgt in Arbeitskreisen. Motivierte Quinoa-Produzenten sind weiterhin gesucht.

Bericht im November-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Laila Grillo

Bild: Pia Neuenschwander

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