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Haftungsfragen beim Pflanzenschutz

· Pflanzenbau
Immer mehr Landwirte lassen Pflanzenschutzmittel von Lohnunternehmern ausbringen. Doch wer haftet, wenn dabei Fehler passieren? Das ist von Fall zu Fall verschieden. Klar ist: Ein Werkvertrag erspart viel Ärger.

Immer mehr Landwirte lassen Pflanzenschutzmittel von Lohnunternehmern ausbringen. Doch wer haftet, wenn dabei Fehler passieren? Das ist von Fall zu Fall verschieden. Klar ist: Ein Werkvertrag erspart viel Ärger.

Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln ist eine der schwierigsten Disziplinen in der Landwirtschaft. Die Vorschriften sind komplex und der Umgang mit den Mitteln birgt Gefahren für Mensch und Umwelt.

In der Ausbildung zum Landwirt und zur Landwirtin EFZ erhalten die Lehrlinge zwar das nötige Rüstzeug, um Pflanzenschutzmittel auszubringen. Sie müssen danach noch viele Erfahrungen sammeln, um diese Arbeit kompetent und sicher auszuführen.

Deshalb erstaunt es nicht, dass viele Landwirte für das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln einen Lohnunternehmer engagieren, der sich darauf spezialisiert hat.

Doch wie steht es um die Verantwortung, wenn der Lohnunternehmer die Pflanzenschutzmittel ausbringt? Wer haftet, wenn Fehler passieren? Und wer haftet, wenn dadurch eigene oder fremde Kulturen oder die Umwelt geschädigt werden oder Vorschriften nicht eingehalten werden?

Fall 1: Der Lohnunternehmer schädigt beim Spritzen die Weizen-Kultur des Nachbarn

Der Lohnunternehmer bringt auf dem Feld von Landwirt Müller* Pflanzenschutzmittel aus. Dabei wird durch Abdrift der Weizen von Müllers Nachbar in Mitleidenschaft gezogen.

Gemäss Thomas Hauri, Berater bei der Agrisano-Stiftung in Brugg, haftet in diesem Fall der Lohnunternehmer. Damit die Versicherung den Spritzschaden am Weizenfeld übernimmt, muss dieses Risiko als «Sonderrisiko für Dritte» in der Betriebs-Haftpflicht-Versicherung des Lohnunternehmers eingeschlossen sein. 

Die Kosten betragen je nach Versicherer um die hundert Franken. Als Sonderrisiko gelten in der Betriebs-Haftpflicht-Versicherung die oben erwähnten Spritzarbeiten für Dritte, aber zum Beispiel auch Forst- und Grab-Arbeiten für Dritte. Sonderrisiken müssen immer separat versichert werden.

Thomas Hauri empfiehlt jedem Landwirt, der regelmässig Flächen eines Dritten spritzt, unbedingt dieses Sonderrisiko in der Betriebshaftpflicht einzuschliessen: «Die Versicherungen zahlen sonst nichts. Sie verhalten sich bei solchen Fällen knallhart.» 

So empfiehlt es auch der Lohnunternehmerverband seinen Mitgliedern. Geschäftsführer Romain Fonk: «Unseren Mitgliedern raten wir, sich genau mit der Deckung der Betriebs-Haftpflicht-Versicherung auseinanderzusetzen.»

Fall 2: Der Lohnunternehmer schädigt während dem Spritzen die Kultur des Auftraggebers

Der Lohnunternehmer bringt auf dem Feld von Landwirt Müller Pflanzenschutzmittel aus. Er schädigt aufgrund eines Fehlers (etwa das falsche Mittel oder ungenügende Reinigung der Spritze) Müllers Kultur. Hier haftet ebenfalls der Lohnunternehmer, jedoch muss er den Schaden aus dem eigenen Sack bezahlen. «Das ist Berufsrisiko und in der Landwirtschaft nicht versicherbar», sagt Hauri.

Fall 3: Der Landwirt spritzt selber und macht beim Ausbringen des Mittels einen Fehler

Landwirt Müller spritzt seine Felder selber. Es unterläuft ihm einen Fehler (etwa das falsche Mittel oder ungenügende Reinigung der Spritze). Das ist seine Schuld und nicht versicherbar. Bei Schäden gegenüber Dritten, wenn zum Beispiel Wind für Abdrift sorgt und das Feld des Nachbarn beeinträchtigt wird, übernimmt Müllers Betriebs-Haftpflicht den Schaden, auch ohne Einschluss des «Sonderrisikos».

Fall 4: Dem Lohnunternehmer unterlaufen Fehler bei der Menge des Pflanzenschutzmittels

Landwirt Müller benötigt für eine Kultur ein Pflanzenschutzmittel, welches betreffend Menge und Zeitraum begrenzt ausgebracht werden darf. Beispielsweise darf von diesem Mittel innert drei Jahren nur ein Kilogramm ausgebracht werden.

Falls Landwirt Müller dem Lohnunternehmer das Ausbringen dieses Pflanzenschutzmittels überlässt: Wer trägt die Verantwortung, dass die vorgeschriebene Menge über diesen relativ langen Zeitraum eingehalten wird? Wer haftet, wenn eine ÖLN-Kontrolle Fehler entdeckt und es zu Kürzungen bei den Direktzahlungen kommt?

Eine Kürzung der Direktzahlungen ist nicht versicherbar. Der Landwirt wäre der Geschädigte. Denn bei Kürzungen der Direktzahlungen handelt es sich um einen reinen Vermögensschaden und nicht um einen Sach- oder Personenschaden.


In der Privat- oder Betriebs-Haftpflicht sind Vermögensschäden nur in Zusammenhang mit einem Sach- oder Personenschaden gedeckt. Um Streitigkeiten zu vermeiden, empfiehlt Thomas Hauri den Landwirten, mit dem Lohnunternehmer einen schriftlichen Werkvertrag abzuschliessen, insbesondere bei Vollservice.

Werkverträge werden häufig viel zu wenig ernst genommen: «In der Landwirtschaft herrscht immer noch die Mentalität, dass ein Handschlag gilt. Es wird angenommen, dass nichts passiert …».

Wurde ein schriftlicher Werkvertrag abgeschlossen und darin klar geregelt, dass der Lohnunternehmer für die korrekte Anwendung des Mittels verantwortlich ist, wird es einfacher, einen Haftungsanspruch geltend zu machen.

Der Lohnunternehmer kann solche Schadenfälle aber nicht versichern und muss dafür selber aufkommen.

Lohnunternehmer Daniel Peter erhebt eine Administrations-pauschale für seinen Aufwand

Die mengen- und zeitraumbeschränkten Mittel stellen Landwirte und Lohnspritzer vor neue Herausforderungen. Es gilt, den Überblick zu bewahren. Daniel Peter, Landwirt und Lohnspritzer aus Rickenbach ZH, trägt auf einer Tabelle alle verwendeten Mittel seiner Kunden ein und bewahrt so den Überblick. Hierfür hat er eine Administrations-Pauschale eingeführt. Die Kunden hätten Verständnis für diese Pauschale, sagt Peter. Sie seien froh, wenn er diese Arbeit für sie übernehme.

Beim Pflanzenschutz gilt es, grösste Sorge tragen und Schäden zu vermeiden

Der Lohnunternehmerverband empfiehlt seinen Mitgliedern, beim Pflanzenschutz grösste Sorge zu tragen. Ziel ist, dass es erst gar nicht zu Schäden und Streitigkeiten kommt.

Dies beginne schon beim Gespräch mit dem Landwirt bei der Auftragsannahme. Hier muss sich schon nach Vorfrüchten, eingesetzten Mitteln, aber auch nach eventuellen Gewässerschutz-Zonen und sensiblen Nachbar-Parzellen erkundigt werden.

Romain Fonk betont, dass sich der Lohnunternehmer nicht von seinem Kunden unter Druck setzen lassen solle. Die Behandlung sollte nur unter ausreichend sicheren Wetterbedingungen durchgeführt werden. Wenn eine Behandlung schief geht, könnten beide Parteien unter Umständen mehr verlieren, als die Behandlung nützen könne.

Auch die Pflanzenschutzmittel-Berater sind gegenüber den Landwirten in der Pflicht

Welche Rolle spielt der Pflanzenschutzmittel-Berater? Gemäss Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof, ist dieser verpflichtet, nur erlaubte Mittel zu empfehlen. Er muss allfällige Mengen- und Zeitraumvorschriften erwähnen. Sind Fehler auf einem Spritzplan ersichtlich, kann er, beziehungsweise der Pflanzenschutzmittel-Lieferant, zur Rechenschaft gezogen werden. Setzt der Landwirt die korrekten Empfehlungen des Pflanzenschutzmittelberaters aber falsch um, liege die Schuld natürlich beim Landwirt, so Hochstrasser.

Ursina Berger-Landolt ist freischaffende Journalistin. Sie befasst sich mit Landwirtschafts-Themen.

* Beispielname

Text: Ursina Berger-Landolt 

Bild: BauernZeitung

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