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Pick-up Serie: Mit dem Nissan Navara im Forst

Kettensägen kreischen bei den Eichen

· Landtechnik
Der Nissan Navara ist der Urahn aller Pick-ups in Europa

Pick-up Serie | Der Nissan Navara ist der Urahn aller Pick-ups in Europa – seit über 30 Jahren wird er angeboten. Und er verfügt über Details, die den Mitarbeitern vom Forstbetrieb Fischingen TG gut gefallen würden. Nicht nur die Ledersitze …

Still ruht der Wald. Meistens jedenfalls. Doch heute kreischen die Kettensägen am Fischinger Chilberg und macht es ziemlich einfach, die Forstwarte Bruno Baumgartner und Thomas Rüegg am Holzplatz zu finden.


Die Holzernte läuft schon im Forstbetrieb Fischingen-Tobel. Und sie wird das achtköpfige Team von Revierförster Roger Hollenstein die kommenden Monate auf Trab halten. Insgesamt 637 Hektar Wald, verteilt auf 280 Eigentümer, betreut der Staatsforstbetrieb im Hinterthurgau. Im Schnitt 12 400 Kubikmeter Holz liefern die Forste pro Jahr.


Holzen, Neubepflanzung, Waldpflege – das ganze Jahr über sind Hollensteins Mitarbeiter mit den Bäumen beschäftigt. Daneben übernehmen sie Aufgaben im Naturschutz, setzen Wege sowie Verbauungen instand und stehen in engem Kontakt zu den Jagdpächtern.


Und sie sorgen dafür, dass die Forste zur Naherholung genutzt werden können. Manchmal sind die Forstwarte aber auch Mediatoren. Zum Beispiel, wenn Biker zu wild die Wege runterbrettern, Wild und Wanderer verärgern. So viele Aufgaben – und kaum eine lässt sich ohne Pick-up erfüllen.


Der Nissan Navara ist so gut, dass Renault und Mercedes ihre Picks-ups darauf aufbauen

Seit über 30 Jahren und in vierter Generation wird der Nissan Navara schon verkauft. Er ist kein Hipster-Laster oder Lifestyle-Mobil, sondern ein grundehrliches Arbeitsgerät. Und bei anderen Marken ist der Navara so beliebt, dass Nissans Kooperationspartner Renault und Mercedes ihre Pick-ups auf seiner technischen Basis aufbauen.


Zwei Karosserie-Formen sind lieferbar: die King Cab mit eher knapper Rückbank und die Doppelkabine, die Platz wie in einem SUV bietet. Nackte Fahrgestelle liessen sich auch ordern. Und natürlich diverses Zubehör. Der gegen Sägezähne empfindliche Lack auf der Ladefläche lässt sich mit Wannen aus Kunststoff oder Alu schützen. Dazu gibt es zwei Hardtop-Varianten, ein Alu-Rollo, eine Klappe oder ein Rollverdeck zur Abdeckung.


Und Schneepflug sowie Seilwinde. Baumgartner und Rüegg kommen ohne Letztere aus, aber in steilen Wäldern leistet sie beim Bergen der Bäume gute Dienste.


Den Antrieb kennen wir aus dem Renault Alaskan (siehe «die grüne» 2/2018): 190 PS leistet der 2,3-Liter-Turbodiesel. Alternativ gibt es einen Turbodiesel mit 163 PS. Die Budget-Version Visia kommt nur mit Hinterradantrieb. Aber in den weiteren vier Ausstattungen wird ein serienmässig zuschaltbarer 4×4 mit Berg-Anfahr- und Abfahr-Assistent verbaut. Die Siebenstufen-Automatik schaltet sanft und schon bei tiefen Drehzahlen hoch. Und Nissan scheint mehr Dämmmaterial verbaut zu haben als mancher Mitbewerber.


Nun gut, der Durchschnitts-Verbrauch von 7,9 l auf 100 Kilometern dürfte im Alltag kaum zu schaffen sein, so wie der Navara im Wind steht. Und Fahr-Assistenten wie Spurhalter oder Totwinkelwarner gibt die Bord-Elektrik nicht her – bei Pick-ups wird in der Konstruktion noch mehr auf die Kosten geschaut als im PW-Bereich.


Ein Detail mochte Nissan indes nicht an andere Anbieter weitergeben. Im Gegensatz zu den sonst weit verbreiteten Blattfedern an der Hinterachse sorgen im Navara eine Mehrlenker-Hinterachse und Schraubenfedern für höheren Komfort und besseren Geradeauslauf.


Die Gelände-Eigenschaften leiden nicht darunter. Im Gegenteil, Schraubenfedern erlauben grössere Achsverschränkungen als starre Blattfedern. Selbst bei voller Auslastung mit Werkzeugen oder bis zu einer Tonne Holz-Scheiten rollt der Navara komfortabel ab und fühlt sich fahrdynamisch fast wie ein SUV an.


Der Nissan Navara ist praktisch unverwüstlich – aber er bietet auch harten Kerlen mehr Komfort

Komfortabel ist der Navara auch im Innenraum. Jedenfalls in der Tekna-Version, die den Schlamm unserer Schuhe definitiv nicht verdient hat. Das Kreuzchen bei den Gummimatten sollte man also nicht vergessen.


Lederpolsterung, Klima-Automatik und Navi werden schon mitgeliefert. Ausserdem linsen Kameras rundum nach Hindernissen. Das hilft gegen Kollisionen mit Steinen, Holz oder Werkzeug im toten Winkel – und auch beim Zurücksetzen in steile Waldwege.


Natürlich lässt sich das Smartphone per Apple Carplay und Google Auto integrieren. Und Nissan aktualisiert drei Jahre gratis die Navi-Karten. Mit 45 000 Franken muss man dann rechnen, die Basisversion gibt es ab 32 000 Franken – sogar inklusive Bluetooth-Radio, Tempomat und Sitzheizung. Schade nur, dass sich das Lenkrad nicht in der Tiefe verstellen lässt.


Neben ihren Forstmaschinen verfügen die Fischinger natürlich längst über Pick-ups im Fuhrpark. «Aber über so eine Lederausstattung müssen wir mit dem Chef doch mal reden», findet Baumgartner. Die wäre ja sogar einfacher abzuwaschen als Stoffsitze. Wenn das Revierförster Roger Hollenstein nicht versteht …

Der Autor Andreas Faust ist Soziologe, Ex-Chefredaktor der «Auto-Illustrierten» und heute Managing Director der Bärtschi Media AG (Auto-Testberichte unter anderem für «Blick», «SonntagsBlick» und das «Migros-Magazin»).

Bericht im Dezember-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Andreas Faust

Bild: Mattias Nutt

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