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Legehennen im «Wohnwagen»

Im mobilen Stall hausen die 400 Legehennen von Familie Ryser aus Heimiswil BE.

· Tierhaltung

Die Familie Ryser aus Heimiswil BE beliefert Gastronomen und Privatkunden mit Eiern. Ihre 400 Legehennen hausen in einem mobilen Stall mit Freilandhaltung. Im Stall funktionieren die Einrichtungen automatisch.

Vor zwei Jahren übernahmen Susanne und Christoph Ryser aus Heimiswil BE einen zusätzlichen Betrieb mit Hühner-Aufzucht. Dazu gehörten auch 180 Legehennen, deren Eier direkt vermarktet wurden.

Weil die jungen Betriebsleiter die Kundschaft übernehmen konnten, wagten sie den Schritt in die Direktvermarktung und erhöhten den Bestand auf 400 Legehennen.

Die zusätzlichen Hennen brauchten einen neuen Stall. Nur schon die Offerten der Baumeisterarbeiten und des Gebäudebaus überstiegen die 100 000-Franken-Marke, und die Stalleinrichtungen waren noch gar nicht eingerechnet.

Deshalb hat die Familie das Projekt verworfen. «Natürlich waren wir uns bewusst, dass ein Stall für 400 Tiere pro Platz teurer ist, als wenn dieser mit vergleichbarer Einrichtung für 18 000 Tiere gebaut wird», sagt der Landwirt Christoph Ryser.

Trotzdem sind 400 Tiere mehr als nur ein Hobby, bei dem man täglich von Hand die Eier einsammelt und in einen Korb legt. Deshalb muss auch der «Kleinstall» vollautomatisch ausgestattet sein: beispielsweise mit automatisierter Regelung der Lüftung oder der Fütterung und einem Eierband.

Die Herstellungskosten für einen mobilen Stall sind tiefer, deshalb rechnet sich die Investition

«Weil die Investitionskosten für einen festen Stall so hoch waren, schauten wir uns nach Alternativen um. Dabei wurden wir auf mobile Stallungs-Systeme aufmerksam», erzählt Christoph Ryser.

Weil beim mobilen System alle Einrichtungen im Produktionswerk fixfertig montiert werden, sind die Herstellungskosten geringer.

Die Familie Ryser hat sich für das mobile Farmermobil der Firma Farmtec SA in Schötz LU entschieden. Das Unternehmen arbeitet dazu mit dem Hersteller in Deutschland zusammen, welcher die gleichen Volierensysteme auch in den fixen Ställen einrichtet.

Die Kosten beliefen sich auf rund 85 000 Franken. Eingerechnet ist dabei der Wintergarten, welchen Christoph Ryser nachträglich selbst anfertigte. Ein Wintergarten ist als Option auch ab Werk lieferbar.

«Derzeit stehen in der Schweiz zehn mobile Ställe von Farmermobil im Einsatz», erklärt Ulrich Rufer, stellvertretender Geschäftsleiter von Farmtec SA. Farmtec bietet verschiedene Stallgrössen an (siehe Kasten).

Die mobilen Ställe für Legehennen sind geeignet für Betriebe mit Eier-Direktvermarktung

Hinter dem Betrieb von Rysers steht nun seit zwei Jahren das Farmermobil namens fm 380. Dieses bietet Platz für 400 Legehennen.

«Es ist das erste Farmermobil, welches wir in der Schweiz in Betrieb genommen haben. Die Nachfrage nach mobilen Ställen wird dort immer grösser, wo die Eier direkt vermarktet werden. In Deutschland gibt es diesen Trend schon länger», so Ulrich Rufer.

Mobile Ställe gelten als besonders tierfreundlich, da sie direkt auf der Weide platziert sind. Und weidende Hühner lösen auch beim Kunden ein Glücksgefühl aus, was gut für den Verkauf ist.


Das Mobil wird auf einem stabilen Fahrwerk mit einer Doppelachse gezügelt. Wie ein Wohnwagen wird es auf vier Stützen ausgerichtet. Diese werden hydraulisch ausgefahren. Derzeit ist das Mobil auf einem ebenen Terrain platziert. Der Auslauf befindet sich im angrenzenden Hang.

Den Anhänger hat Christoph Ryser noch nicht oft gezügelt. Auf ebenem Terrain könnte die Einheit, welche 7,80 Meter breit ist, jedoch innert weniger Minuten verschoben werden.

Die Haupteinrichtungen befinden sich auf dem Mittelteil des Gefährts. Dazu gehört die Schaltzentrale mit den Steuerungselementen für die elektronischen Bedienungen. Die Fütterung, die Lüftung und weiteres sind vollständig automatisiert.

Das Futtersilo mit einem Fassungsvermögen von gut zwei Kubikmeter befindet sich ebenfalls im Mittelteil, mit einem Füllstützen an der Aussenwand. Etwa alle drei Wochen wird eine Tonne Futter nachgefüllt. In einem Wassertank befindet sich der Wasservorrat für eine Woche, welcher mit einer Pumpe zu den Tränkestellen gelangt.

An jeder Seite befindet sich ein dreiteiliger Anbau. Die Anbauten sehen ähnlich aus wie Baucontainer. Die einzelnen Teile können mit einer Palettengabel gepackt und am Hauptwagen eingehängt werden.

In der Frontseite des Wagens befindet sich die Eingangstür zum Eier-Raum. Dort legt ein Sammelband die Eier ab.

Im gegenüberliegenden Seitenteil befinden sich die Auslaufklappen, welche den Weg in den Wintergarten öffnen. Die Öffnungs- und Schliesszeiten lassen sich programmieren.
Derzeit öffnen die Klappen gegen Mittag, nach dem die Eier gelegt sind. «Am Abend schliessen wir die Klappen selbst, nachdem wir uns bei einem Rundgang versichert haben, dass alle Tiere drinnen sind», so Christoph Ryser.

Der Mist wird von einem elektrisch betriebenen Kotband aufgefangen und einmal in der Woche ausgetragen. Dabei fällt der Mist in die grosse Schaufel des Hofladers. Für diesen Vorgang lässt sich die Hecktüre am Mittelteil weit öffnen.

Der «Wohnwagen» der Legehennen steht etwas abseits, er funktioniert wie ein fixer Stall

Abgesehen davon, dass sich der Stall etwas ausserhalb vom Betriebsgebäude befindet, fallen keine zusätzlichen Arbeiten gegenüber einem konventionellen und automatisierten Legehennen-Stall an.

Damit die Infrastruktur im «Wohnwagen» funktioniert, ist der Wagen einzig mit einem Stromkabel mit dem Betrieb verbunden. Über einen Transformator werden alle Einrichtungen mit 24 Volt betrieben.

Das Farmermobil kann auch mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach geliefert werden. Dadurch lässt sich der Strombedarf ab Netz reduzieren. Ganz auf den Netzanschluss kann während Tagen mit weniger Sonnenlicht jedoch nicht verzichtet werden. Dann übernimmt ein Generator die temporäre Speisung der Batterie und der Stromversorgung.

Beim kleineren Modell, welches ohne Seitenteile auf der Strasse über weitere Distanzen gezügelt werden kann, ist ein autarker Betrieb möglich. Dort wird die Photovoltaik-Anlage mit Stromspeicher und Notstrom-Anlage angeboten. Dies ist vor allem bei weit entlegenen Weidestandorten ein Vorteil.

Der tägliche Arbeitszeitbedarf in und um den Legehennenstall liegt bei Rysers bei durchschnittlich rund 1,5 Stunden. An zwei bis drei Tagen pro Woche werden die Eier ausgeliefert.

Bei der Lebensdauer des mobilen Stalls geht man von mindestens 15 bis 20 Jahren aus. Dabei komme es auch auf die Pflege und den Unterhalt an den Einrichtungen an, sagt Ulrich Rufer. Die mobilen Bauteile benötigen etwas mehr Pflege als ein festes Gebäude, beispielsweise beim Korrosionsschutz. Deshalb verwendet der Hersteller immer öfter verzinkte Bauteile.

Christoph Ryser hat den Stallboden nachträglich von unten isoliert. Damit wird die Bildung von Kondenswasser innen auf dem Stallboden verhindert. Grössere Differenzen der Aussen- und Innentemperatur hatten eine schmierige Bodenschicht und nasse Einstreu zur Folge.

Für die Familie Ryser bewährt sich das System mit dem mobilen Stall. Je nach Entwicklung bei der Direktvermarktung kann mit einem zweiten oder einem grösseren Gefährt die Produktion der Nachfrage angepasst werden. «Bis zu einer Tierplatz-Zahl von rund 3000 Legehennen sind mobile Ställe oft günstiger als feste Bauten. Es sei denn, vorhandene Gebäude können mit geringen Anpassungen umgenutzt werden», so Ulrich Rufer.

Susanne und Christoph Ryser möchten die Wertschöpfung ihrer Eierproduktion weiter optimieren und planen, Eier selbst zu lagern. Dadurch könnten sie saisonale Schwankungen bei der Nachfrage besser ausgleichen.

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Beat Schmid

Bild: Pia Neuenschwander

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