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Vom Landwirtschafts-Lehrling zum Langlauf-Profi

Der Obwaldner Langläufer hat sich gleichzeitig zum Landwirt und Spitzensportler ausgebildet

· Pflanzenbau,Tierhaltung
Der Obwaldner Langläufer hat sich gleichzeitig zum Landwirt und Spitzensportler ausgebildet

Janik Riebli hat 2018 die landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und ist ins Langlauf-B-Kader aufgestiegen. Nun bereitet sich der erfolgreiche Lehrling auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking vor und will daneben so oft wie möglich als Landwirt arbeiten.

Ich wollte schon immer Landwirt werden. Kein anderer Beruf fasziniert mich mehr.» Im Sommer 2018 hat der 19-jährige Janik Riebli aus Giswil OW die landwirtschaftliche Lehre erfolgreich abgeschlossen. Aber nicht nur dies, vor einem halben Jahr schaffte der erfolgreiche Sportler den Sprung ins Schweizer B-Kader der Langläufer. Diese junge Truppe soll dereinst die Erfolge von Dario Cologna fortsetzen.

Schon mit 13 Jahren zeigte sich, dass Janik Riebli nicht nur mit viel Freude, sondern auch mit viel Talent langläuft. Die Familie drängte ihn nicht zum Spitzensport, aber sie unterstützte ihn dabei. Janiks Vater gehörte in jungen Jahren ebenfalls dem B-Kader an. Er wusste also, was für eine Arbeit hinter einer sportlichen Karriere steckt.

Langlauf und Landwirtschaft begleiten Janik Riebli seither intensiv. Schon einige Jahre vor seinem Lehrbeginn fand er in Davos GR die Lehrstelle bei der Betriebsgemeinschaft Fischler-Hoffmann. Damals dachte er nicht an eine Sportler-Lehre, sondern an die guten Trainingsmöglichkeiten in Davos. Janik stand damals beim Schweizer Skiverband in einem Sichtung-Kader. Der Schritt zum Langlauf-Profi ist in dieser Phase noch in weiter Ferne und alles andere als sicher.

Der Obwaldner Langläufer hat sich gleichzeitig zum Landwirt und Spitzensportler ausgebildet

Janik Riebli entschied sich für den härtesten Weg zum Spitzensport: Er wollte gleichzeitig die landwirtschaftliche Lehre absolvieren, sich im C-Kader etablieren und dort den Weg für die Olympischen Winterspiele 2022 einschlagen.

Mit der landwirtschaftlichen Schule Plantahof in Landquart GR, dem Ausbildungsbetrieb in Davos und den Eltern in Giswil wurde für Janik ein Ausbildungs-Plan erstellt. Dank diesem Plan erlaubte ihm der Plantahof, die Ausbildung um ein Jahr auf vier Jahre zu verlängern. Dadurch konnte Janik die wöchentliche Arbeitszeit von 55 auf 45 Stunden reduzieren und den Schulstoff am Plantahof auf zwei Winter verteilen.

«Das erste Lehrjahr war knallhart, ich gab auf dem Betrieb wie im Training Vollgas», sagt Janik Riebli in der Rückschau. Die harte Arbeit wurde belohnt: Janik war in seinem Alter nationale Spitze und gehörte dem C-Kader an.

Das zweite Lehrjahr absolvierte er im nahe gelegenen Klosters, damit der Weg ins Langlauf-Leistungszentrum in Davos nicht zu weit ist.

Spitzensportler Janik musste auf die harte Tour lernen, dass auch Erholung wichtig ist 

Beruflich gab er immer mehr Gas. «Ich hatte ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Lehrbetrieb, da ich oft abwesend war und meinte, dies kompensieren zu müssen.» Dies, obschon ihn sein berufliches und familiäres Umfeld dabei zu bremsen versuchten.

Im darauffolgenden Winter stürzte Janik anfangs Saison in einer Abfahrt schwer und verpasste verletzt die Junioren Weltmeisterschaft. Als Riebli auch noch am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte, war klar, dass er mehr Erholung brauchte. Er kehrte auf den Lehrbetrieb in Davos zurück. Arbeit und Training wurden noch besser aufeinander abgestimmt.

Seither trainiert Janik am Vormittag drei Stunden im nahegelegenen Leistungszentrum, wo er sich unter anderem mit Dario Cologna misst. Am Nachmittag arbeitet er auf dem Betrieb. «Ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Betriebe habe ich immer noch, aber ich nehme es unterdessen lockerer.»

 

Eigentlich müsste er kein schlechtes Gewissen haben, sein Lehrbetrieb hat sich auf die Ausbildung von Sport-Talenten spezialisiert und steht voll hinter seinen sportlichen Ambitionen. Dazu gehört auch genügend Erholungszeit.

 

Im letzten Winter gewann Riebli anfangs Saison ein Europacup-Rennen und belegte an der Junioren-Weltmeisterschaft den 11. Rang. Die Selektions-Kriterien von Swiss Ski waren erfüllt, um ins B-Kader aufzusteigen. Und auch die Lehrlingsprüfung als nächste Herausforderung meisterte er souverän.

Janik Riebli lebt als Profi-Sportler weiterhin in Davos. Neben dem Training arbeitet er wenn immer möglich weiter für die Betriebsgemeinschaft Fischler-Hoffmann. Dort faszinieren ihn die Wagyu-Rinder und die Milchkühe – und das integrierte Lohnunternehmen für die Siloballen-Produktion. 

Der Profi-Langläufer Janik Riebli ist stolz, ein Landwirt zu sein, und arbeitet weiter auf dem Hof

«Als Landwirt habe ich einen sehr interessanten Beruf. Mich reizte es nie, wie viele andere Spitzensportler ein Sport-Gymnasium zu absolvieren.» Obschon es nicht einfach war, alles unter einen Hut zu bringen, sieht Janik Riebli Vorteile für seine Sport-Karriere. Er lernte sich durchzubeissen und ist überzeugt, dass dies mentale Vorteil bringt. Beispielsweise in einem letzten harten Anstieg kurz vor dem Ziel.

Auch körperlich hat ihm die Berufslehre gut getan. Janik Riebli ist überzeugt, dass er dank der Arbeit auf dem Bauernhof eine zusätzliche Basiskondition aufbauen konnte, für die er sonst zusätzlich hätte trainieren müssen. Langlauf ist ein harter Sport und die Ernährung ist dabei besonders wichtig. Riebli konnte sich auf dem Betrieb mit natürlichen Produkten ernähren. «Fleisch vom eigenen Betrieb und Gemüse aus dem eigenen Garten sind gesünder als vorverarbeitete Produkte vom Grossverteiler.»

Darum ist Janik Stolz, ein Landwirt zu sein. Und er hofft, dass «seine» Lebensmittel in Zukunft noch öfter den Weg direkt vom Produzenten zum Konsumenten finden. «Wir müssen die Konsumenten überzeugen, dass Schweizer Nahrungsmittel besonders wertvoll sind und deshalb mehr kosten als importierte Massenware. Ich wünsche mir, dass die Betriebe in der Schweiz von ihrer Produktion existieren können, und nicht von Direktzahlungen.»

Janik Riebli will die Chance als Spitzensportler am Schopf packen und setzt voll auf diese Karte. Die Übernahme des elterlichen Betriebs in Giswil OW ist erst nach der Karriere geplant. Seine Eltern sind noch jung, so dass er sich mindestens 10 bis 15 Jahre dem Spitzensport widmen kann.

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text & Bild: Beat Schmid
 

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