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Saat-Kartoffeln: Das Kartoffel-Business ist knallhart und komplex

Ein Praxis-Beispiel über den Anbau und den Markt von Saat-Kartoffeln.

· Pflanzenbau,Agrarpolitik
Kartoffelmarkt: Der Anbau von Saat-Kartoffeln ist anspruchsvoll, die Planung komplex und das Business knallhart. Daniel Niklaus kennt den Markt als Vorstand der swisssem und der SEMAG sowie als Produzent aus unterschiedlichen Perspektiven.

Der Anbau von Saat-Kartoffeln ist anspruchsvoll, die Planung komplex und das Business knallhart. Daniel Niklaus kennt den Markt als Vorstand der swisssem und der SEMAG sowie als Produzent aus unterschiedlichen Perspektiven.

Es ist nicht zu überhören: Der Anbau von Saat-Kartoffeln ist die grosse Leidenschaft von Daniel Niklaus aus Müntschemier BE. Dieser Betriebszweig hat für den Meisterlandwirt ebenso Tradition wie für andere die Viehzucht – und ist somit eine Herzensangelegenheit.

Sein Vater baute schon Saat-Kartoffeln an und in der Lehre war Niklaus ebenfalls auf Höfen mit dieser Produktionsrichtung. Heute vermehrt Niklaus die Knollen auf einer Fläche von 15 Hektaren.


«Herzblut und Überzeugung sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren», erklärt Daniel Niklaus. Er bezieht das nicht nur auf den Anbau von Saat-Kartoffeln, sondern auf jede andere Form der Produktion. Niklaus verfolgt seine Strategie ohne Kompromisse (siehe Kasten auf der rechten Seite), aber mit Erfolg. Und dies in einem anspruchsvollen Umfeld.


Was für Milchbauern die Milchleistung pro Kuh ist, das bedeutet für einen Saatkartoffel-Produzenten die verkaufte Ware pro Hektare. Niklaus weiss aus seiner Tätigkeit als Verwaltungsrats-Präsident der SEMAG: Über alle Betriebe gesehen liegt der Durchschnitt an als Normal- und Kleinsortierung verkauften Saatkartoffeln pro Hektare zwischen 17 und 18 Tonnen. Der realisierte Preis ist sortenabhängig und liegt zwischen 65 und 80 Franken (Bio: 120 bis 130 Franken) pro Dezitonne. Niklaus sagt dazu: «Von diesem Ertrag könnte ich nicht leben.»


Saatgut-Produzenten müssen Übergrössen und kleine Kaliber verwerten können


Um schwarze Zahlen schreiben zu können, ist gemäss Daniel Niklaus nebst einem überdurchschnittlichen Ertrag an verkaufsfähiger Ware ein anderer Faktor entscheidend: Können bei der Kalibrierung ausgemusterte Über- oder Untergrössen von den Saatgut-Produzenten verwertet werden?


«Jeder Franken, der durch den Absatz von aussortierten Pflanz-Kartoffeln dazu verdient werden kann, ist pures Einkommen», weiss Niklaus. Er baut darum auf seinem Betrieb auf einer Pufferfläche von 2 bis 5 Hektaren Speise-Kartoffeln oder Industrie-Kartoffeln an. Je nachdem, wie viel Saatgut von welcher Sorte bei der Kalibrierung aussortiert wird.


Niklaus setzt diese Kartoffeln nicht ungern auf seinem Betrieb: Übergrosse Saat-Kartoffeln verfügen über bessere Triebkraft. «Dafür ist natürlich der logistische Aufwand für Handling und Lagerkosten viel grösser. Mit einer Paloxe Saatgut kommt man nicht weit.» Auch die Technik muss angepasst sein, damit übergrosse Knollen exakt gesetzt werden können.


Der Anbau von Saat-Kartoffeln ist anspruchsvoll und arbeitsintensiv (siehe Kasten). Dennoch gibt es junge, motivierte Produzenten, die sich weiterhin für diese Produktion interessieren. Herausforderungen gibt es für die Branche aber auch so genug:

Verbandspolitik: In der Schweiz gibt es vier Vermehrungs-Organisationen für Saat-Kartoffeln: Die ASS für die Westschweiz, die SEMAG mit Sitz in Lyssach, die Saatzucht Düdingen und die VO Ost. Zwischen diesen Organisationen herrscht nicht immer Einigkeit – sehr zum Unmut von SEMAG-Verwaltungsrats-Präsident Daniel Niklaus.

«Es darf nicht sein, dass wir gegeneinander arbeiten. Der Markt ist zu hart und die Margen zu knapp», so Niklaus. «Das aggressive Vorgehen hat in letzter Zeit zugenommen», ist Niklaus überzeugt, und nennt auch gleich den Grund dafür: «Der wirtschaftliche Druck auf alle Beteiligten ist enorm. Es sind aber auch spürbar immer weniger Landwirte an den entscheidenden Posten vertreten», gibt der gelernte Meisterlandwirt zu Bedenken.


Handel: Daniel Niklaus hat festgestellt, dass die Abnehmer teilweise
zu schnell einen Sortenwechsel vollziehen wollen. «Das ist logistisch oft gar nicht zu bewerkstelligen», so der Branchenkenner. Und dokumentiert es mit einem Beispiel aus dem aktuellen Produktionsjahr – das schon 2016 begann:

  • Im September 2016 wurde der Anbau der Saat-Kartoffeln für das Folgejahr geplant.
  • Im März 2017 wurden die Pflanz-Kartoffeln gesetzt.
  • Im August und September 2017 wurden die Pflanz-Kartoffeln geerntet.
  • Im Jahr 2018 erhielt der Kartoffel-Produzent das im Vorjahr produzierte Pflanzgut und baute die Speise- und Industrie-Kartoffeln an.
  • Im Oktober 2018 werden die geernteten Kartoffeln eingelagert.
  • Bis im Sommer 2019 werden die Speise- und Industrie-Kartoffeln verarbeitet und verkauft.»

Darum sei es nicht möglich, innert Kürze eine Sorte komplett auszutauschen, wie dies manche Abnehmer gerne würden. «Viele Abnehmer – aber auch manche Produzenten – sehen zu wenig hinter die Kulissen der Produktion», stellt Niklaus fest. Dies zu ändern, ist in seinen Augen wichtig. Denn ohne das Wissen um die Leistungen der Branchen-Organisation fehle die Bereitschaft zu deren Unterstützung. «Das bringt das Risiko von Trittbrettfahrern mit sich. Gleichzeitig profitieren diese aber von den Leistungen unserer Branche wie beispielsweise der Sorten-Prüfung», so der Meisterlandwirt.

Agrarpolitik: Kartoffeln im Allgemeinen und Saat-Kartoffeln im Besonderen brauchen Schutz. Pflanzenschutz, um genau zu sein. Genau dieser Pflanzenschutz ist aber harter Kritik ausgesetzt. «Wenn die Trinkwasser- oder Pestizidverbots-Initiative angenommen werden, ist es mit dem Anbau von Kartoffeln oder Saat-Kartoffeln in der Schweiz vorbei. Egal ob Bio oder ÖLN», ist Daniel Niklaus besorgt.


Auch die Auflagen zum Erosions-Schutz könnten die Kartoffel-Produzenten empfindlich treffen: «Wir haben viele Produzenten in Grenzlagen mit schwieriger Topographie», so Niklaus. Die Lage ist aufgrund des tiefen Blattlaus-Drucks speziell geeignet für diese Produktion. Ein Problem ist aber die Erosion: «Der Kartoffel-Anbau wird immer intensiv sein. Eine Direktsaat-taugliche Kultur kann die Knolle niemals werden.»

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