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Ein neuer Laufstall für die Hornkühe

Im Laufstall für Hornkühe zählen (Raum-)Grösse, Gestaltung und Herden-Management

· Tierhaltung
Hornkühe im neuen Laufstall der Familie Barmettler aus Buochs NW.

Die Familie Barmettler aus Buochs NW hat einen Laufstall für behornte Milchkühe gebaut. Damit der Stall für die Hornkühe funktioniert, sind nicht nur grössere Abmessungen wichtig, sondern auch die Gestaltung der verschiedenen Stallbereiche und ein gutes Herden-Management.

Leila, Sera, Lotti, Lorena, Melinda, Vreneli»: Munter zählt der zweieinhalbjährige Andreas die Namen der Kühe der Reihe nach auf. Die Kühe, fast alles Brown Swiss und Original Braune, stehen im Selbstfang-Gitter, welches speziell für behornte Kühe entwickelt wurde. Der Betriebsleiter und zweifache Vater Christian Barmettler ist zufrieden: «Sie haben sich im neuen Laufstall gut eingelebt.»

Der neue Laufstall ersetzt den über 100-jährigen Anbindestall der Familie Barmettler

Beim Besuch von «die grüne» ist es erst sechs Wochen her, dass die Kühe von der Alp herunterkamen und in den neuen Laufstall einzogen. Die ersten zwei Wochen hat Barmettler die Kühe über Nacht in den Liege-
boxen angebunden.

Dass die Umstellung so einfach und ohne Verletzungen ablaufen würde, hätten der junge Betriebsleiter und sein Vater Walter Barmettler nicht
geglaubt. Schliesslich waren sich die Milchkühe ihr ganzes Leben lang einen Anbindestall gewöhnt. Nun bewegen sie sich frei in den verschiedenen Stallbereichen.

Für die Planung des neuen Stalls holte sich Barmettler Unterstützung von der Stallbaufirma Krieger AG. Denn bei Laufställen für behornte Milchkühe gibt es einiges zu beachten.

Christoph Fuchs, Projektleiter bei der Firma Krieger AG, erläutert: «Die Fressplatzbreite ist gemäss Tierschutzvorschrift 78 cm, hier haben wir 96 cm eingerechnet.» Fuchs bezieht sich bei den eingesetzten Werten auf Erfahrungswerte. Diese decken sich mit dem Merkblatt «Laufställe für horntragende Milchkühe». In den Tierschutzvorschriften gibt es keine Vorschriften für die Dimensionierung und Gestaltung von Lauf-
ställen für behornte Milchkühe.

Die meisten Auseinandersetzungen zwischen den Kühen finden im Fressbereich statt

Laut Fuchs funktioniert ein solcher Laufstall ohne ad libitum-Fütterung und mit Kraftfuttergabe an der Fressachse nur mit einem Selbstfang-Gitter. «So bekommt einerseits jede Kuh ihre Ration und andererseits bringt
es viel Ruhe in den Stall. Wäre keines da, könnte eine ranghohe Kuh sämt-
liche Kühe wegjagen und dabei allenfalls auch verletzen, wofür sie nur einmal der Fressachse entlang gehen müsste.»

Auf die Gestaltung der Liegeboxen ist bei Hornkuh-Herden besonderes Augenmerk zu legen. Barmettlers haben sich für flexible Liegeboxenbügel entschieden. Die einzelnen Kunststoffstäbe ermöglichen den Tieren ein schnelles Austreten gegen hinten, während das Nackenband im Notfall eine Fluchtmöglichkeit nach vorne bietet. 
Sackgassen und Hindernisse gilt es zu vermeiden. «Im besten Fall ist der ganze Laufbereich ein einziger Rundlauf», erklärt Fuchs. Die Entmistung des Laufbereichs wird mit zwei Mistschiebern gelöst. Derjenige an der Fressachse geht direkt ins Gülleloch. Der zweite Mistschieber läuft zwischen den Liegeboxen. Der Mist ist damit strohreich und geht auf die Mistplatte.
Als Wartebereich für den Melkstand dient der grosszügige Laufhof. Dort gebe es keinerlei Probleme, sagt Barmettler. «Die Kühe kommen alle freiwillig in den Tandem-Melkstand, obwohl der Wartebereich gross bemessen ist.»

Die Grösse und die Gestaltung (z.B. Anordnung der Tränken und der Durchgänge) sind wichtige Punkte, damit ein Laufstall für behornte Milchkühe funktioniert. Die Gesamtfläche pro Grossvieheinheit GVE beträgt jetzt 15 Quadratmeter – die Vorschrift schreibt 10 Quadratmeter vor.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Herden-Management. Es fällt auf: Der Altersdurchschnitt der Kühe in Barmettlers Stall ist eher hoch. Das ist ideal, denn ältere, ranghohe Tiere entscheiden über das Sozialgeschehen
in der Herde. Ein hoher Anteil junger Kühe, aber auch zugekaufte Kühe können Unruhe in die Herde bringen. Die Anzahl Eingliederungen sollte daher klein gehalten werden.

Je nach Anzahl Jungvieh kann Barmettler die Plätze im Laufstall flexibel abtrennen. «Wir ziehen unsere Jungtiere alle selber nach, so sind sie von Anfang an den Laufstall gewöhnt», sagt er.

Mehrkosten von 2000 Franken pro GVE sind nicht der einzige Kosten-Faktor

Auf die Frage nach den Mehrkosten betont Fuchs, dass es schwierig sei, einen allgemein gültigen Betrag zu nennen. Es komme auf das jeweilige Projekt an. Dabei ist ein Umbau nicht unbedingt günstiger als ein Neubau. Vor allem: Kompromisse sollte man möglichst keine eingehen.

 

«Wir rechnen grob mit Mehrkosten von rund 2000 Franken pro GVE bei einem Laufstall für behornte Milchkühe», sagt Fuchs. Er betont: «Das ist aber nicht der einzige kostentreibende Faktor.» Er meint damit, dass andere bauliche Massnahmen, wie zum Beispiel eine verstärkte Holzkonstruktion wegen Schneelast oder zusätzlichen Gülleraum, ebenso stark ins Gewicht fallen.

 

Christian und Walter Barmettler lassen die Kühe am späteren Vormittag auf die Weide. Die Aussicht lässt nichts zu wünschen übrig: Man sieht das Wasser in der Bucht von Buochs glitzern und weit oben ist der Bürgenstock zu erkennen.

Christian Barmettler ist zufrieden. Wichtig ist ihm ein guter und ruhiger Umgang mit den Tieren. «So bringt man Ruhe in den Stall», ist er überzeugt. Was seine Zukunft in der Milchproduktion betrifft, ist er zuversichtlich: «Sollte Heumilch in unserer Käserei Langentannen ein Thema werden, bin ich bereit mitzumachen.»

text: Martina Rüegger
bild: Ruben Sprich

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