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Hitzestress bei Schweinen

Praxis-Report der Tierärzte vom Schweinegesundheitsdienst der Suisag (SGD)

· Tierhaltung
Suisag-Serie | Der heisse Sommer 2018 zeigt, wie wichtig es ist, Hitzestress bei Schweinen zu vermeiden. Schweine können nicht schwitzen, die optimale Temperatur ist klar eingegrenzt. Abkühlung ist im Stall nötig, damit sich die Tiere wohl fühlen und ihre Leistung bringen.

Suisag-Serie | Der heisse Sommer 2018 zeigt, wie wichtig es ist, Hitzestress bei Schweinen zu vermeiden. Schweine können nicht schwitzen, die optimale Temperatur ist klar eingegrenzt. Abkühlung ist im Stall nötig, damit sich die Tiere wohl fühlen und ihre Leistung bringen.

Beim alljährlichen Bestandesbesuch auf einem Zuchtbetrieb fällt eine Gruppe von Muttersauen in ihren Abferkel-Buchten auf: Die Muttersauen atmen mit offenem Maul deutlich zu schnell; sie hecheln. Die Hälfte der Gruppe von sechs Sauen hat schon abgeferkelt, diese Sauen liegen mehrheitlich in Brustlage auf dem Rost. Das kann ein Zeichen eines beginnenden Milchfiebers sein.

Die Ferkel sind eher unruhig und liegen zum Teil ebenfalls auf dem Rost, das Ferkelnest wird kaum benutzt. Als Folge davon mussten schon drei erdrückte Ferkel aus den drei Würfen entsorgt werden. Die Sauen, die noch nicht abgeferkelt haben, liegen in Seitenlage auf dem Rost, um möglichst viel Wärme abgeben zu können.

In den Futtertrögen aller Sauen sind am frühen Nachmittag noch grössere Futterreste übrig. Messungen der Körpertemperatur ergeben Werte von 39,7 bis 40,1 Grad. Insbesondere die Sauen, die schon abgeferkelt haben, fressen deutlich zu wenig. Ihre Milchleistung ist ungenügend. Die Stalltemperatur liegt bei 32 Grad. Die Verdachtsdiagnose «Hitzestress» liegt nahe.

Hitzeprobleme schaden den Schweinen, sie fühlen sich nur bei bestimmten Temperaturen wohl

Das Temperatur-Optimum von Schweinen liegt in einem sehr engen Bereich, insbesondere auch, weil sie nicht schwitzen können. Nur in diesem Bereich (siehe Tabelle) fühlen sich die Tiere wohl und erbringen die besten Leistungen hinsichtlich Fruchtbarkeit und Zuwachs. Haben sie zu heiss, wirkt sich das auf ihre Gesundheit aus (siehe Kasten). 

 

Die Beeinträchtigung des Abwehrsystems kann verschiedene negative Folgen haben. Die Schweine suchen kühle, feuchte Liegeplätze. Sind diese nicht vorhanden, halten sich die Tiere am Kotplatz auf. Tierverschmutzungen (Beanstandungen), Milchfieber bei Sauen, Saugferkel-Durchfälle, Gelenks-Infektionen, Blutvergiftungen und andere gesundheitliche Probleme treten vermehrt auf.

 

Insbesondere Sauen im Abferkelstall leiden unter Hitze. Kreislaufprobleme und anstrengende Geburten, die länger dauern und mehr tot geborene Ferkel bringen, sind die Folge.

 

Säugende Sauen fressen pro Grad Temperaturzunahme bis zu 170 Gramm weniger Futter. Damit kann der erhöhte Energiebedarf für die Milchbildung noch schlechter gedeckt werden. Die Sauen magern übermässig ab und kommen später in die Rausche.


Alle Schweine verringern bei zu hohen Temperaturen die Futteraufnahme. Damit vermindern sie die Wärmeproduktion aus den Stoffwechsel-Aktivitäten wie Verdauung, Milchbildung und Bewegung. Auch bei Mastschweinen sinken die Tageszunahmen und die Futterverwertung wird schlechter.
Bei Ebern verschlechtert sich die Spermaqualität, vermehrtes Umrauschen und sinkende Wurfgrössen sind die Folge.

Die Sofortmassnahmen im Praxisfall zeigten rasch Wirkung gegen den Hitzestress

Der Betrieb ergriff Massnahmen gegen den Hitzestress:

  • Die Stallfenster werden während der direkten Sonneneinstrahlung beschattet.
  • Eine behelfsmässige Dusche wird eingerichtet. Ein mit Löchern versehener Wasserschlauch wird über dem Rost der Abferkel-Buchten eingerichtet und unter stetiger Überwachung nach Bedarf der Sauen eingesetzt.
  • Die Trinkwasser-Versorgung wird überprüft: Für Mutterschweine muss die Durchflussrate bei den Tränkenippeln 2,5 Liter pro Minute betragen.
  • Eine erste Fütterung von grösseren Futterportionen in den noch kühleren Morgenstunden, eventuell eine Zwischenmahlzeit und eine kleinere Portion am Abend.
  • Die Grenze zwischen Hitzestress und Milchfieber ist in diesen Fällen äusserst schwierig zu ziehen. Deshalb empfiehlt sich in kritischen Fällen die Injektion eines Entzündungshemmers/Schmerzmittels und eventuell eines Oxytocin-Präparates. Antibiotika sind erst einzusetzen, wenn der begründete Verdacht auf eine bakterielle Infektion besteht (entzündete Gesäugekomplexe, Gebärmutterausfluss oder nach manueller Geburtshilfe).

Die telefonische Nachfrage zwei Tage später ergab eine deutliche Verbesserung der Situation: Die Sauen hechelten kaum mehr und frassen auch besser, dementsprechend waren die Ferkel besser gesäugt und ruhiger.

Der Züchter hatte die Sofortmassnahmen vorbildlich umgesetzt und musste nur zwei der sechs Sauen mit Schmerzmittel/Entzündungshemmer und Oxytocin behandeln. Antibiotika waren nicht nötig.

Die Tierschutzvorschriften geben ganz klar vor, wie die Ställe einzurichten sind 

Gemäss Tierschutzverordnung ist der Schutz vor Hitze in den seit 1. September 2008 neu eingerichteten Ställen wie folgt vorgeschrieben:

  • In Räumen und Innengehegen muss ein den Tieren angepasstes Klima herrschen. 
  • Für Schweine ab 25 kg in Gruppenhaltung und für Eber muss bei Temperaturen über 25 Grad eine Abkühlungsmöglichkeit vorhanden sein. 

In Ferkelaufzucht-Buchten, Abferkel-Buchten und im Deckzentrum sind somit keine Abkühlungsmöglichkeiten vorgeschrieben

Dennoch: Um sicherzustellen, dass sich die Schweine wohl fühlen und ihre Leistung bringen, ist es bei Hitze nötig, mit geeigneten Massnahmen in allen Ställen und Einrichtungen für Abkühlung zu sorgen.

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Jürg Reichert 

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