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Getreidecenter Freiamt: Getreide liefern nach Plan

Die Getreide-Annahmestelle für Landwirte und Lohnunternehmer im Kanton Aargau

· Pflanzenbau
Das Getreidecenter Freiamt ist die Getreide-Annahmestelle für Landwirte und Lohnunternehmer im Kanton Aargau.

Die Getreideernte fordert alle: Landwirte, Lohnunternehmer und Getreide-Annahmestellen. Innert kürzester Zeit müssen die Annahmestellen enorme Mengen annehmen, reinigen und einlagern. Im Getreidecenter Freiamt blickt «die grüne» hinter die Kulissen.

Getreidecenter Freiamt in Villmergen, 27. Juni, 8 Uhr: Ein John Deere, ein New Holland und ein Fendt stehen mit jeweils zwei Anhängern vor dem Getreidecenter Freiamt in Villmergen. Die Gespanne gehören drei Landwirten, wobei zwei von ihnen ihr Kind mitgenommen haben. Sie warten darauf, ihre gedroschene Gerste in die Gosse der Getreideannahmestelle zu kippen.

Bereits seit 6.30 Uhr wird Fuder um Fuder mit Gerste angeliefert, schön nach Plan: ein Anhängerzug pro Viertelstunde. Die Planung macht Geschäftsführer Toni Küng, der seit 6 Uhr früh vor Ort ist. Seine erste Amtshandlung: Die Anlage betriebsbereit machen, damit alles reibungslos abläuft.

Seit zwei Wochen hat es im Freiamt praktisch nicht mehr geregnet. Die Gerste trifft seit dem 18. Juni schön gestaffelt ein. «Das konstant schöne Wetter ist ein Glück für uns. Alle Bauern können ihre Ernte am von ihnen gewünschten Tag abgeben. Und wir füllen unsere Lager laufend.»

So früh wie dieses Jahr wurde nur im trockenen Jahr 2003 gedroschen. Am 27. Juni wurde bereits über die Hälfte der gesamten Gerste eingelagert, welche das Getreidecenter Freiamt annimmt. Pro Jahr sind es 4000 bis 4300 Tonnen.

Der frühzeitige Erntetermin stellt Küng allerdings auch vor eine grosse Herausforderung: Auf dieses Jahr hin nimmt das Getreidecenter neue Silos in Betrieb. Auch die Steuerung wurde komplett erneuert.

Gemäss Werkvertrag hätte alles bis im April 2018 fertiggestellt sein sollen. Aufgrund Lieferschwierigkeiten war dies aber leider nicht der Fall. Darum läuft parallel zur Getreideannahme die Installation der neuen Steuerung. Diese sollte bis zur in Kürze beginnenden Weizen- und Raps-Ernte unbedingt fertiggestellt sein, damit dann reibungslos alles angenommen und eingelagert werden kann.

Anders als bei der Gerste bringen die Landwirte bei der Weizen- und Raps-Ernte auch vermehrt Muster zur Analyse des Wassergehaltes. Dies dient ihnen als Entscheidungshilfe, ob gedroschen werden soll oder nicht. «Besonders in Jahren mit erhöhter Auswuchsgefahr nehmen die Landwirte diese Dienstleistung häufiger in Anspruch. Ist der Weizen beispielsweise bereits ausgewachsen, so kann man wenigstens getrost zuwarten, bis die Feuchtigkeit im idealen Bereich liegt», erklärt Küng.

Geschäftsführer Toni Küng will den Landwirten eine gute Dienstleistung bringen

Von Hektik ist beim Geschäftsführer nichts zu spüren. Trotz Fragen der Steuerungsfachleute, Telefonklingeln im Viertelstundentakt, Lastwagen, welche Getreide für Futtermühlen abholen und den kontinuierlich eintreffenden Lastenzügen mit Gerste.


«Das ist wohl einfach mein Naturell», meint Küng dazu. Innerlich sei er schon jeweils sehr angespannt. Die Getreideernte sei für ihn immer eine sehr hektische, aber auch eine schöne Zeit. «Ich schätze den Kontakt mit unseren Kunden», meint Küng. Ihm ist es wichtig, den Landwirten eine gute Dienstleistung bringen zu können. Und er weist darauf hin, dass «unser Getreidecenter schliesslich den Produzenten gehört.»

Auffallend viele Kinder begleiten die Landwirte zum Getreidecenter Freiamt. «Bei uns gibt es immer gratis ein Getränk, das wissen die Bauern mittlerweile», lacht Küng. Diese Dienstleistung erbringt der ansonsten kostenbewusste Geschäftsführer gerne. Die Landwirte und ihre Kinder nehmen das Getränk dankbar an, schliesslich ist es heiss und staubig.

Die Kosten tief zu halten, das ist ansonsten eine absolute Priorität von Küng. So arbeiten im Getreidecenter Freiamt nur drei Festangestellte. «Bei uns kann jeder überall eingesetzt werden. Das ermöglicht uns eine schlanke Struktur.»

Das Annahmecenter Freiamt hat  wenig Personal, der Chef und die Landwirte packen mit an

Die schlanke Struktur hat Konsequenzen: Einerseits legt Küng selbst auch immer wieder Hand an, wenn es um Wartungs- und Reparaturarbeiten geht. Andererseits erledigen die Landwirte kleine «Jobs» wie beispielsweise die Muster abfüllen oder die Gerste in die Gosse wischen in Eigenregie.

Küng weiss, dass andernorts mehr Personal für solche Dinge eingesetzt wird. Er ist aber überzeugt, mit seiner Strategie auf dem richtigen Weg zu sein: «Die eingesparten Kosten können wir in Form tiefer Annahmegebühren an die Landwirte zurückgeben. Sonst würden die Landwirte ja nur einfach da stehen und warten, was nicht unbedingt ihrem Naturell entspricht», lacht der Geschäftsführer.

Und die Landwirte? Die sind mit dem Getreidecenter zufrieden und kommen oft schon seit vielen Jahren mit ihrer Frucht hierher. Sie wissen, dass der Preis stimmt. Und auch die straffe Organisation und das Zeitmanagement werden geschätzt. Manch einer erinnert sich noch ungern an die langen Kolonnen vor der Sammelstelle. Diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Praxis-Bericht im August-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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