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Das grosse Potenzial zum Erosions-Schutz nutzen

Erosionsschäden können im Wiederholungsfall zu Direktzahlungskürzungen führen.

· Pflanzenbau
Erosionsschutz: Erosionsschäden können im Wiederholungsfall zu Direktzahlungskürzungen führen.

Wenn ein Landwirt durch unsachgemässe Bewirtschaftung Erosion verursacht, muss er im Wiederholungsfall mit Kürzungen bei den Direktzahlungen rechnen. Vorbeugende Massnahmen im Anbauverfahren schützen im Falle eines Falles vor einer Strafe.

Erosion im Mais: Starker Regen hat die Bodenaggregate zerstört, die Masse aus Bruchstücken der zerstörten Bodenstruktur ist in einer Senke zusammengelaufen und verschlämmt die Fläche. Die feinen Bodenteile verursachen an der Bodenoberfläche einen «Betondeckel». Dieser lässt weder Luft noch Wasser zu den Wurzeln und die Pflanzen können sich kaum noch entwickeln.

Wenn diese Situation eintrifft, hat der Landwirt Glück im Unglück. Der Kulturschaden ist zwar entstanden, aber immerhin ist keine Erde auf eine Strasse gelangt. Kommt es als Folge davon zu verstopften Strassen-Schächten und werden gar Keller geflutet, muss der Landwirt unter Umständen für den Schaden aufkommen.

Entsteht Erosion, muss der verantwortliche Landwirt im Wiederholungsfall mit Kürzungen bei den Direktzahlungen rechnen. Der Bodenabtrag muss dazu als bewirtschaftungsbedingt beurteilt werden und mehr als zwei Kubikmeter pro Hektare betragen.

Seit 2017 gelten die Richtlinien der Direktzahlungsverordnung (DZV) und seit 2018 greifen die risikobasierten Kontrollen durch die kantonalen Fachstellen in Zeiträumen mit intensiven Niederschlägen und noch schlecht deckenden Kulturen. Die Fachstellen sind auch für den Vollzug verantwortlich.

Wird bei einer solchen Kontrolle Erosion festgestellt, kann der Bewirtschafter in Zusammenarbeit mit der kantonalen Beratung einen Massnahmenplan erarbeiten. Hält er diesen ein, erfolgen im Wiederholungsfall keine Kürzungen der Direktzahlungen. Verzichtet der Bewirtschafter aber auf die Ausarbeitung eines von der kantonalen Fachstelle anerkannten Massnahmenplans, erfolgen im Wiederholungsfall Kürzungen.
 

Die kantonalen Fachstellen helfen bei vorsorglichen Massnahmen gegen die Erosion

Erosion ist vor allem bei Hackfrüchten an geringer Hanglage leicht möglich. Es braucht nur noch Starkregen im dümmsten Moment, also in den ersten Wochen nach dem Setzen oder Säen. Je intensiver das Bewirtschaftungsverfahren durch Bodenbearbeitung, desto feiner ist die Ackeroberfläche und umso höher das Risiko.

Die Agridea hat ein Hilfsmittel zum Erstellen von Massnahmeplänen gegen Erosion ausgearbeitet (siehe Kästchen auf S. 64). Dieses wird von kantonalen Fachstellen bei der Ausarbeitung von Vorsorgemassnahmen angewandt.

«Bei gefährdeten Parzellen lohnt es sich, vorsorglich Massnahmen gegen Erosion zu treffen. Idealerweise holt man sich bereits in dieser Phase Unterstützung durch die kantonale Fachstelle. So ist das Risiko am geringsten, Bewirtschaftungsfehler zu begehen und Direktzahlungen zu verlieren», erklärt Bettina Koster von der Agridea.

Vorbeugende Massnahmen gegen Erosion sind reduzierte Bodenbearbeitung anstelle vom Pflug, die Bewirtschaftungsrichtung quer zum Hang oder den Verzicht von Hackfrüchten auf besonders gefährdeten Parzellen. Eigentlich ist dies längst bekannt. Aufgrund der neuen Verordnung mit Direktzahlungs-Kürzungen ist es ratsam, das aktuelle Erosions-Risiko neu zu beurteilen.

Erosion kann auch unverschuldet durch mangelhafte Infrastruktur verursacht werden

Erosion kann auch durch mangelhafte Infrastruktur ausserhalb der Parzelle entstehen. Zum Beispiel, wenn ein Strassenschacht nicht unterhalten wird und Regenwasser kanalisiert auf ein darunter liegendes Feld eindringt. Anhand des Schadbildes lässt sich rasch erkennen, dass nicht ein Bewirtschaftungs-Fehler die Ursache war, der mit Direktzahlungs-Kürzungen sanktioniert wird. Dies gilt auch, wenn Erosion durch den Abfluss auf einer obenliegenden Parzelle ausgeht.

Koster rät zu präventiven Massnahmen. Denn ein Starkregen im dümmsten Moment führt auf gefährdeten Parzellen schnell zu Erosion. «Vorbeugende Massnahmen, wie beispielsweise ein Lochstern beim Kartoffelanbau oder die Streifenfräs-Saat beim Mais, bringen hier den Unterschied.»

Zudem können sich die Landwirte gegenseitig unterstützen, indem sie Parzellen für den Kartoffelanbau abtauschen und gefährdete Felder nicht mehr bepflanzen. Denn Erosion ist mehr als eine Sauerei: «Auf der Strasse liegt dann nicht einfach Dreck, sondern fruchtbarer Oberboden, welcher für die Nährstoff- und Wasserversorgung der Pflanzen notwendig ist.»


Von Erosion war auch Bernhard Wyss aus Aetigkofen SO betroffen. Auf den besonders ertragsstarken Böden ist der intensive Anbau von Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben gang und gäbe. «Die sanften Hügel schränken die Bewirtschaftung nicht ein, die intensiven Fruchtfolgen mit viel Hackfrüchten verursachten jedoch immer wieder Erosion mit Erde, die zum Teil bis ins Dorf geschwemmt wurde.»

Konsequenter Erosions-Schutz:Von Ackerbau auf Milchproduktion und Grasland umstellen
 

Manchmal geschah dies mehrmals jährlich. Die nicht landwirtschaftliche Bevölkerung hinterfragte die «Dreckflut» zunehmend kritisch und erkannte den Zusammenhang zwischen intensiver Bewirtschaftung und Erosion. Die Landwirte standen in der Verantwortung und starteten mit der kantonalen Fachstelle ein Projekt zur Erosions-Minderung.

Anstelle des Pflugs wurde der Grubber eingesetzt oder der Mais mit Streifenfräs-Saat angebaut. «Das Wichtigste war, dass mit einfachen Lösungen viel erreicht werden konnte. Man kann nicht immer wieder die gleichen Schäden hinnehmen und nichts dagegen unternehmen.»

Bernhard Wyss vollzog eine 180 Grad-Wende auf seinem Betrieb mit 20 Milchkühen und intensivem Ackerbau. Ausserhalb des Dorfs baute er einen neuen Milchvieh-Stall für 80 Kühe und stellte den Betrieb auf Milchproduktion und Grasland um. «Dies ist der beste Erosions-Schutz. Das einzige Risiko, das heute noch besteht, ist der Mais-Anbau.» Die Umstellung von Ackerland auf Grasland fiel Bernhard Wyss leicht. Die Milchkühe begeistern ihn ebenso wie der Ackerbau.

Wyss steht dem neuen Erosions-Vollzug positiv gegenüber. Vor allem, weil mit Vorbeuge-Massnahmen ein Anreiz geschaffen wird, die Probleme gemeinsam mit den Fachstellen anzugehen. Er machte die Erfahrung, dass einfache Lösungen in der Praxis gut akzeptiert werden. Diese Massnahmen können leichter umgesetzt werden, als komplizierte Verfahren. Hier lohne sich die gemeinsame Lösungs-Findung mit praktischen Ansätzen der Landwirte und theoretischen Ansätzen der Behörden.

Grasland schützt zwar den Boden vor Erosion, dennoch ist der Mais-Anbau eine Herausforderung. Vor der Mais-Saat nutzt Bernhard Wyss eine Zwischenfutter-Mischung. Danach wird Mist ausgebracht und gepflügt.

Die Saat erfolgt direkt mit der Sämaschine auf die Pflugfurche. An der Traktor-Front verfestigt eine Walze die Furche. Diese misst aber nur drei Meter – und die Sämaschine arbeitet 4,5 Meter breit. Alle drei Meter hat es damit einen 1,5 Meter breiten Streifen mit unbearbeiteter Pflugfurche. Die groben Schollen schützen den Acker vor Bodenabtrag.

Allerdings stehen immer zwei Mais-reihen in der nicht rückverfestigten Zone. Dies könnte die Keimung wegen schlechtem Bodenschluss hemmen. Hier erhöht Bernhard Wyss die Saatstärke, um allfällige Ausfälle auszugleichen. «Man muss flexibel und offen sein, auch einmal etwas Verrücktes oder Ungewöhnliches zu machen.» Weil sich alle Landwirte für Verbesserungen einsetzen, «ist das Dorf heute erosionsfrei», freut sich Wyss.

Zielkonflikte gibt es auch wegen des Verzichts auf Herbizid und dem vermehrten Pflugeinsatz. Die Forschung erarbeitet hier Lösungen mit Untersaaten-Mischungen die das Unkraut unterdrücken und die nächste Kultur direkt in den Bestand gesät wird (siehe «die grüne» Nr. 4/2018).

Beim Pflügen bringt ein On-Land-Pflug grosse Vorteile in der Pflug-Furche. Sie wird nicht mehr befahren und verdichtet nicht, was die Wasser-Infiltration verbessert. Gegen Erosion sind die einfachsten Lösungen tatsächlich die wirkungsvollsten Lösungen.

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text & Bild: Beat Schmid

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