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Energieeffiziente Ferkelnester: Kleine Box mit grosser Wirkung

Energieeffiziente Ferkelnester und Jagerkisten sparen Strom

· Tierhaltung
Energieeffiziente Ferkelnester und Jagerkisten sparen Strom

Auf dem Betrieb von Daniel Zihler in St. Erhard LU liegen Ferkel und Jager in grossen grünen Boxen mit dicken Streifen-Vorhängen. Diese Ferkelnester halten die Tiere warm und sparen viel Strom.

Wie viele Ferkelgeburten Daniel Zihler schon miterlebt hat, lässt sich kaum noch zählen. Im Jahr 2003 übernahm Zihler den Betrieb seiner Eltern. Die drei Betriebszweige Schweinezucht, Ackerbau und Milchproduktion führte er noch bis ins Jahr 2013 weiter. Dann gab er die Milchproduktion auf. Einen Schritt, den er bislang nicht bereut hat: «Die Milchproduktion war zu klein strukturiert.»

Der alte Milchviehstall ist heute die praktisch eingerichtete Deckstation. Einen halben Tag hilft seine Schwester auf dem Betrieb mit, einen weiteren halben Tag der Schwiegervater, ansonsten werden die anfallenden Arbeiten von der Familie Zihler übernommen.

Daniel Zihler hat 100 Zuchtsauen und mästet jährlich 1500 seiner Jager selber

Und es gibt immer etwas zu tun. Denn auf Zihlers IP-Suisse-Betrieb sind rund 100 Zuchtsauen zu Hause. Die Zuchtsauen sind zwischen zwei bis drei Jahren im Einsatz. An die 12 Ferkel gibt es pro Wurf. Die Jager verlassen den Stall mit ungefähr 25 kg.

Seit diesem Jahr kann Zihler einen Teil der Ausmast selbst übernehmen. Im Januar konnte er den unweit gelegenen Elternbetrieb seiner Frau übernehmen. Dort mästet er 1500 von 
seinen jährlich insgesamt 2700 Jagern nun selbst. Die restlichen 1200 verlassen den Betrieb direkt in Richtung Mastbetrieb.

Zihler verfolgt auf seinem Betrieb konsequent das Rein-Raus-System. Das heisst, alle Tiere verlassen den Stalltrakt zur gleichen Zeit, damit der gesamte Stall gereinigt und desinfiziert werden kann. «Das war das Ziel, das ich mit dem Anbau im Jahr 2014 erreichen wollte», erklärt er. «Ich bin jetzt dort, wo ich sein wollte.»

Die Ferkelnester sind isoliert und beheizt, dank Vorhänge-Streifen bleibt die Wärme im Nest

Wer aufmerksam durch die Ställe geht, sieht gesunde Tiere, die einen zufriedenen Eindruck machen. «Ich habe nichts zu verbergen», erklärt Zihler. Die grossen Zuchtsauen haben Platz und ein Strohbett, die jungen Wilden zusätzlich mit Stroh gefüllte Eisenbälle zur Beschäftigung.

Die ganz kleinen Ferkel, die sich nicht durch fremden Besuch stören lassen, liegen in grossen grünen Boxen. Es handelt sich dabei um isolierte und beheizte Ferkelnester. Sowohl die Box bei den Jagern wie auch bei den Ferkeln kann mit den Steuerungseinheiten einzeln reguliert werden. Alles läuft automatisiert.

Bei Daniel Zihler sind diese Boxen noch mit extra dicken Vorhänge-Streifen ausgestattet. Diese sorgen dafür, dass das Maximum an Wärme in der Box bleibt. Zihler ist überzeugt von diesen isolierenden, ferkelgängigen Vorhängen. Sie bieten den Ferkeln ein ideales Mikroklima bei rund 34 Grad. Gleichzeitig kann der restliche Stall energiesparend geführt werden.

Ganz freiwillig gehen die jungen Ferkel nicht rein in die Box und dadurch weg von der Muttersau. Zihler legt sie in den ersten 24 Lebensstunden zweimal in die Box, die zu Beginn noch mit Stroh bedeckt ist. Gleichzeitig fixiert er ein bis zwei Streifen des Vorhangs, so dass die Ferkel zu Beginn die Öffnung im Vorhang benützen können. Danach klappe es problemlos.

Die Installation der Ferkelnester und Jagerboxen diesen Sommer verlief laut Zihler während einer Abferkelpause von rund 10 Tagen unproblematisch.

Das Ausfüllen der Formulare für das Gesuch hat der Hersteller – in Zihlers Fall ATX Suisse GmbH – übernommen. Die Fördergelder hat Zihler zwar noch nicht erhalten. Dennoch empfiehlt er Landwirten grundsätzlich, beim Programm mitzumachen. «Insbesondere, falls eine Sanierung anstehen sollte, und die Amortisation in einer sinnvollen Zeitdauer erreicht werden kann.» Wie viel Strom er seit dem Einbau eingespart hat, kann Zihler noch nicht sagen, aber er verbrauche bereits «einiges weniger».

Auf dem Betrieb zeugen eine Solaranlage und energiesparende Fenster von Energieeffizienz

Energieeffizienz ist auf dem Betrieb vom Daniel Zihler nicht einfach ein Schlagwort. Die Solaranlagen auf dem Dach zeugen davon ebenso wie die Fenster im Stall, bei denen sich Zihler für die teurere, aber energiesparendere Variante entschieden hat. Beim Stallneubau hat man ihm eine Öl- und Warmwasserheizung vorgeschlagen, welche er aber abgelehnt habe. «Das ist nicht zeitgerecht», argumentiert er.

 

Wer Zihler zuhört und ihn bei der Arbeit sieht, könnte nicht vermuten, dass er in einer Branche mit starken Preisschwankungen arbeitet, die schon lange auf mehr Stabilität wartet. «Nenn mir eine Berufsgattung, die ohne Schwierigkeiten auskommt», entgegnet er pragmatisch auf die Frage, ob die Schweinebranche denn nicht ein hartes Pflaster sei. «Egal, in welcher Branche man sich befindet, arbeiten muss man überall», sagt er überzeugt.

Bericht im November-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Julia Overney

Bild: Peter Röthlisberger

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