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Boden-Serie | Landwirt Anno Schipholt in Siblingen SH «füttert» seinen Boden

Im ersten Teil der Boden-Serie geht es um Bodenleben und wie mit der richtigen Bearbeitung die Bodenfruchtbarkeit gefördert wird.

· Pflanzenbau
Im ersten Teil der Boden-Serie geht es um Bodenleben. «Dafür braucht es die richtige Bodenbearbeitung», so Anno Lutke Schipholt. Er führt den biodynamischen «Hof am Stei» im Klettgau SH.

Der Boden ist die Nahrung der Pflanzen. Damit er gesund bleibt, muss er sich regenerieren. Dafür braucht es Bodenleben und die richtige Bearbeitung. Anno Lutke Schipholt geht seit fünf Jahren eigene Wege in der Bodenbearbeitung.

Der biodynamische «Hof am Stei» von Anno und Margrith Lutke Schipholt liegt sich am Rande von Siblingen im Klettgau SH. Die beiden bilden eine Betriebsgemeinschaft mit den Eltern von Anno. Anno und Margrith Lutke Schipholt bewirtschaften den 27 ha grossen «Hof am Stei» mit vornehmlich Acker-, aber auch Futterbau. Auf dem höher gelegenen Randenhof halten die Eltern das Milchvieh. Auf dem «Hof am Stei» ziehen Anno und Margrith Lutke Schipholt das Jung- und Mastvieh auf, halten 800 Hühner in drei Mobilställen und führen einen Hofladen mit Demeter-Produkten. Der Name des Hofes kommt daher, dass der Boden sehr steinig ist. Deshalb ist der Boden einerseits tragfähig, andererseits kann er aber nur wenig Wasser speichern.

Hinzu kommt, dass der Klettgau mit 650 bis 850 ml Niederschläge pro Jahr eine relativ trockene Region ist. Das Ziel ist es, den Wasserhaushalt der Böden zu verbessern, also den Boden vor Austrocknung zu schützen. «Ich versuche, den Boden möglichst dauernd grün zu halten», sagt Anno Lutke Schipholt. Das ermöglicht dem Boden, sich zu regenerieren.


Ein Beispiel: In Winterweizen oder Dinkel sät er im Frühling «Green Carbon Fix» als Untersaat. Dies ist eine langsam wachsende Mischung des deutschen Saatgutherstellers «Camena Samen», die sich sowohl für trockene als auch feuchte Böden eignet. Sie besteht aus Weidelgräsern, verschiedenen tiefwurzelnden Kleearten und Leindotter.


Für Biobauer Lutke Schipholt ist Unkraut Beikraut, das er durch Untersaaten verhindert


Je mehr Pflanzenarten in einer Mischung sind, desto besser durchwurzeln diese den Boden und ergänzen sich gegenseitig, erklärt der Ackerbauer. Nach der Weizen- bzw. Dinkelernte fräst Lutke Schipholt die Untersaat ein und sät Buchweizen als Sommer-Zwischenfrucht aus. Buchweizen und Ausfallgetreide bedecken den Boden. Sie verhindern das Ausbreiten von Beikräutern: So nennt der biologisch-dynamisch wirtschaftende Landwirt die Unkräuter.


Ausserdem schützen Buchweizen und Ausfallgetreide den Boden vor direkter Sonnenstrahlung und Austrocknung. Die im Boden vorkommenden Mikroorganismen und Regenwürmer finden Lebensraum und Nahrung. Im Spätsommer fräst Lutke Schipholt den Buchweizen ein und sät ein sogenanntes Dominanz-Gemenge aus. Das ist eine stark deckende Mischung für kurze Wachstumszeit.

Die Durchwurzelung macht den Boden tragfähiger. Darauf lässt sich Gülle oder Kompost ausbringen, ohne den Boden stark zu verdichten.
Mitte Oktober arbeitet Lutke Schipholt das Gemenge mit der Fräse, dem Schälpflug oder einem Flachgrubber ein. Welches Gerät er verwendet, hängt von den Wetterverhältnissen und dem Wachstum der Zwischenfrucht ab. «Das Dominanz-Gemenge hinterlässt einen wunderbaren Boden», sagt Lutke Schipholt.


Dennoch sät er manchmal eine zweite, nicht frierende Zwischenfrucht, das sogenannte «Wintergrün» und schält diese im Frühling zusammen mit Rottelenkern ein. Dies macht er, damit das Bodenleben Nahrung findet. «Der Boden muss wie eine Hochleistungs-Kuh gefüttert werden», vergleicht der Landwirt.


Es ist eine Kunst, den Boden locker zu halten, damit die Pflanzenteile korrekt verrotten


Das Grüngut muss sich locker mit der Erde vermischen. «Das ‚locker‘ ist ganz wichtig», betont der Landwirt. Die Luft darf nicht hinausgedrückt werden. Sonst faulen die Pflanzenteile, statt zu verrotten. Bei der grossflächigen Verrottung entstehen Gase. Diese wirken keimhemmend. So kommen keine Beikräuter auf.


Bei Nässe eignet sich ein Schälpflug besser als eine Fräse. Es ist zu beachten, dass höchstens drei bis vier Zentimeter tief gefräst oder zehn Zentimenter tief geschält wird.


Ohne Fermente wie Effektive Mikroorganismen EM (siehe Kasten) oder biologisch-dynamische Präparate sei es allerdings ein sehr unsicheres Verfahren, betont Lutke Schipholt.


Einen Pflug dürfe man nicht verwenden, da er den Boden ganz auf den Kopf stürzen und das Bodenleben stark stören würde.


«Es gibt kein Schema F bei der Bodenbearbeitung. Wir haben es mit
Leben zu tun», sagt Lutke Schipholt. Details wie der Einsatz von Präparaten oder eine Tiefenlockerung auf 20 Zentimeter können ausschlaggebend sein.
Manchmal unterstützt Lutke Schipholt die Gründüngung durch eine Tiefenlockerung mittels Grubber. Diese nehme die Spannung aus dem Boden, indem feine Risse entstehen. «Diese Risse erleichtern die Durchwurzelung des Bodens», erklärt Lutke Schipholt.


Die Tiefenlockerung führt er in Kombination mit der Saat durch: Vorne am Traktor der Grubber und hinten die Kreiselegge oder Fräse mit angehängter Sämaschine.


Am Grubber hat der Landwirt eine Spritzvorrichtung angebracht, welche biodynamische Präparate über den Rissen verspritzt. Diese sollen das Wurzelwachstum unterstützen und das Bodenmilieu verbessern. «So kommt Leben in den Boden», fasst es der biodynamische Landwirt zusammen. «Ein gesunder Boden führt zu gesunden Pflanzen», ist er überzeugt.
 

Der Boden auf dem «Hof am Stei» lässt sich einfacher bearbeiten und der Beikrautdruck sinkt


Lutke Schipholt hat Kurse zur regenerativen Bodenbearbeitung bei Dietmar Näser und Friedrich Wenz besucht. Die beiden empfehlen die doppelte Gründüngung als den «leistungsfähigsten, schnellsten Weg zur Humusregeneration». Auch wenn der Landwirt zu Beginn viel Aufwand betreiben müsse, um Leben in den Boden zu bringen, lohne es sich.


«Langfristig kriege ich das zurück», ist Lutke Schipholt überzeugt. Schon in den fünf Jahren, in welchen er den «Hof am Stei» so bewirtschaftet, merkt er, dass sich der Boden leichter bearbeiten lässt und der Beikrautdruck abnimmt.

 
Obwohl er als gelernter Landmaschinentechniker Freude an grossen Landmaschinen hat, ist es sein Ziel, mit leichteren und deshalb kleineren Traktoren seine Felder zu bestellen. Leichte Traktoren verdichten den Boden weniger als schwere und schonen die Bodenstruktur.


Für den Landwirt der richtige Weg, die Arbeit der Bodenlebewesen zu fördern und damit den Boden zu regenerieren.

Die Durchwurzelung macht den Boden tragfähiger. Darauf lässt sich Gülle oder Kompost ausbringen, ohne den Boden stark zu verdichten.
Mitte Oktober arbeitet Lutke Schipholt das Gemenge mit der Fräse, dem Schälpflug oder einem Flachgrubber ein. Welches Gerät er verwendet, hängt von den Wetterverhältnissen und dem Wachstum der Zwischenfrucht ab. «Das Dominanz-Gemenge hinterlässt einen wunderbaren Boden», sagt Lutke Schipholt.

Dennoch sät er manchmal eine zweite, nicht frierende Zwischenfrucht, das sogenannte «Wintergrün» und schält diese im Frühling zusammen mit Rottelenkern ein. Dies macht er, damit das Bodenleben Nahrung findet. «Der Boden muss wie eine Hochleistungs-Kuh gefüttert werden», vergleicht der Landwirt.


Es ist eine Kunst, den Boden locker zu halten, damit die Pflanzenteile korrekt verrotten


Das Grüngut muss sich locker mit der Erde vermischen. «Das ‚locker‘ ist ganz wichtig», betont der Landwirt. Die Luft darf nicht hinausgedrückt werden. Sonst faulen die Pflanzenteile, statt zu verrotten. Bei der grossflächigen Verrottung entstehen Gase. Diese wirken keimhemmend. So kommen keine Beikräuter auf.


Bei Nässe eignet sich ein Schälpflug besser als eine Fräse. Es ist zu beachten, dass höchstens drei bis vier Zentimeter tief gefräst oder zehn Zentimenter tief geschält wird.


Ohne Fermente wie Effektive Mikroorganismen EM (siehe Kasten) oder biologisch-dynamische Präparate sei es allerdings ein sehr unsicheres Verfahren, betont Lutke Schipholt.


Einen Pflug dürfe man nicht verwenden, da er den Boden ganz auf den Kopf stürzen und das Bodenleben stark stören würde.


«Es gibt kein Schema F bei der Bodenbearbeitung. Wir haben es mit
Leben zu tun», sagt Lutke Schipholt. Details wie der Einsatz von Präparaten oder eine Tiefenlockerung auf 20 Zentimeter können ausschlaggebend sein.
Manchmal unterstützt Lutke Schipholt die Gründüngung durch eine Tiefenlockerung mittels Grubber. Diese nehme die Spannung aus dem Boden, indem feine Risse entstehen. «Diese Risse erleichtern die Durchwurzelung des Bodens», erklärt Lutke Schipholt.


Die Tiefenlockerung führt er in Kombination mit der Saat durch: Vorne am Traktor der Grubber und hinten die Kreiselegge oder Fräse mit angehängter Sämaschine.


Am Grubber hat der Landwirt eine Spritzvorrichtung angebracht, welche biodynamische Präparate über den Rissen verspritzt. Diese sollen das Wurzelwachstum unterstützen und das Bodenmilieu verbessern. «So kommt Leben in den Boden», fasst es der biodynamische Landwirt zusammen. «Ein gesunder Boden führt zu gesunden Pflanzen», ist er überzeugt.
 

Der Boden auf dem «Hof am Stei» lässt sich einfacher bearbeiten und der Beikrautdruck sinkt


Lutke Schipholt hat Kurse zur regenerativen Bodenbearbeitung bei Dietmar Näser und Friedrich Wenz besucht. Die beiden empfehlen die doppelte Gründüngung als den «leistungsfähigsten, schnellsten Weg zur Humusregeneration». Auch wenn der Landwirt zu Beginn viel Aufwand betreiben müsse, um Leben in den Boden zu bringen, lohne es sich.


«Langfristig kriege ich das zurück», ist Lutke Schipholt überzeugt. Schon in den fünf Jahren, in welchen er den «Hof am Stei» so bewirtschaftet, merkt er, dass sich der Boden leichter bearbeiten lässt und der Beikrautdruck abnimmt.

 
Obwohl er als gelernter Landmaschinentechniker Freude an grossen Landmaschinen hat, ist es sein Ziel, mit leichteren und deshalb kleineren Traktoren seine Felder zu bestellen. Leichte Traktoren verdichten den Boden weniger als schwere und schonen die Bodenstruktur.


Für den Landwirt der richtige Weg, die Arbeit der Bodenlebewesen zu fördern und damit den Boden zu regenerieren.

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text & Bild: Michael Götz
 

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