Return to site

Bio-Geflügelmast: Ein dankbarer neuer Betriebszweig

Familie Renggli hat sich für die Bio-Geflügelmast entschieden. Dafür hat sie in vier kleine Ställe à 500 Einheiten und in einen Aufzuchtstall investiert.

· Tierhaltung
Bio-Geflügelmast: Familie Renggli hat sich in Rengg LU mit der Bio-Geflügelmast ein neues Standbein aufgebaut. Investiert hat sie nicht in mobile Mast-Ställe, sondern in solche, die fix installiert und mit einer automatisierten Fütterungs- und Lüftungsanlage ausgestattet sind.

Die Familie Renggli hat sich in Rengg LU mit der Bio-Geflügelmast ein neues Standbein aufgebaut. Investiert hat sie nicht in mobile Mast-Ställe, sondern in solche, die fix installiert und mit einer automatisierten Fütterungs- und Lüftungsanlage ausgestattet sind.

Es ist zugig auf der Rengg oberhalb Entlebuch. Die drei Windräder in unmittelbarer Nähe laufen auf Hochtouren. «Bei uns herrscht ein eher raues Klima», bestätigt Ueli Renggli. Der Landwirt bewirtschaftet mit seiner Familie einen biologisch geführten Milchwirtschaftsbetrieb auf rund 1000 Meter über Meer. Mit der Umstellung auf den Biolandbau 2017 haben sich Ueli und seine Frau Ursula für einen neuen Betriebszweig entschieden: die Bio-Geflügelmast.

Der Zufall wollte es, dass Thomas Jenni, der Cousin von Ueli Renggli, gleichzeitig an der Entwicklung eines kleinen, automatisierten Hühnerstalls arbeitete. Jenni ist Lüftungsspezialist. «Ich stelle immer wieder fest, dass die Luftumwälzung beim Tier in den mobilen, einfach gebauten Ställen mit Firstentlüftung mangelhaft ist», sagt er dazu. Die Thermik im Stall funktioniere zu sehr nach dem Zufallsprinzip. «Klimaschwankungen und hohe Temperaturen setzen den Tieren und der Einstreuqualität zu», beobachtet Jenni.

Ein fix installierter Geflügelstall mit integrierter Lüftungs- und Fütterungs-Anlage 

Jenni erklärt, dass der Arbeitsaufwand für die Fütterung von Hand sowie für das Umplatzieren der Ställe nach jedem Umtrieb gross sei. Und: Mobile Ställe können in unwegsamem Gelände nicht einfach umplatziert werden. Jennis Erkenntnisse brachten ihn dazu, einen eigenen, fix installierten Stall mit integrierter Lüftungs- und Fütterungsanlage zu entwerfen. In Zusammenarbeit mit der Micarna sind solche Ställe möglich.

Statt den mobilen Geflügelmast-Ställen stehen nun also vier fix installierte, robust gebaute Ställe unten auf der Wiese. Jeder Stall bietet Platz für 500 Masttiere. Es sind Hallen in Kleinformat. Erschlossen mit Wasser und Strom, ausgestattet mit vielen durchdachten Details. So ist die betonierte Bodenplatte isoliert. Die Wände sowie das Dach bestehen aus dicken Sandwich-Paneelen, welche einfach zu reinigen und langlebig sind. Zudem isoliert dieses Material den Stall optimal.

Lüftung und Licht werden automatisch per Klimacomputer gesteuert. Der Energiesparlüfter sorgt für einen geringen Stromverbrauch und verhindert wetterbedingte Temperaturschwankungen im Stall.

Gefüttert werden die Tiere mit einer Spiral-Kübelfütterung. Vor jedem Stall steht ein kleines Futtersilo, welches einfach und rasch mit dem Hoflader befüllt werden kann. Ab dann läuft die Fütterung automatisch. Wasser nehmen die Tiere über die Nippeltränke zu sich. 

Alle Abläufe im Stall sind genau durchdacht, auch beim Verlad in die Transportkisten

Die ersten drei Lebenswochen verbringen die Tiere im warmen Aufzuchtstall, welcher sich in der ehemaligen Remise beim Bauernhaus befindet. Dieser ist, ausser der Fütterungsanlage, genau gleich eingerichtet wie die Mast-Ställe.

 

Zusätzlich ist eine Bodenheizung eingebaut, um den frisch geschlüpften Tieren genügend Wärme zu ermöglichen. Anfangs ist der Stall auf 33 Grad aufgeheizt, nach drei Wochen sind es nur noch 16 Grad. Dann werden die jungen Tiere in die vier Mast-Ställe verteilt. Während acht Wochen werden sie nun gemästet und im Alter von elf Wochen geschlachtet. Für den Verlad in die Transportkisten können die Sitzstangen heraufgeklappt und die Tränkelinien aufgezogen werden. Die Futterkübel werden bereits am Vorabend aus dem Stall genommen. Sämtliche Lichteinlässe können abgedeckt werden, damit die Tiere während dem Verladen ruhig sind. Für die Helfer wird Blaulicht eingeschaltet, welches die Hühner nicht sehen. Nach dem Verlad können die Ställe direkt mit dem Hoflader entmistet werden.

Familie Renggli hat nun bereits den zweiten Umtrieb eingestallt. «Die Hühner sind ein dankbarer Betriebszweig», sagt Ursula Renggli. «Es handelt sich dabei um keine körperlich schwere Arbeit, die von der ganzen Familie gut verrichtet werden kann.»

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Aline Küenzi

Bild: Peter Röthlisberger

All Posts
×

Almost done…

We just sent you an email. Please click the link in the email to confirm your subscription!

OKSubscriptions powered by Strikingly