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Ackern auf hohem Niveau: Berggetreide

Jung & Wild | Für «die grüne» schaut die Autorin Laila Grillo die Schweizer Landwirtschaft aus der Perspektive der «Jungen Wilden» an.

· Pflanzenbau
Rund 100 Bündner Landwirte bauen Berggetreide für die Vermarktungs-Plattform Gran Alpin an. Curdin Caduff aus Tartar ist einer davon.

Berggetreide ist «ackern» auf hohem Niveau – im doppelten Sinne des Wortes. Curdin Caduff ist einer von rund 100 Bündner Landwirten, die ihr Berggetreide für die Vermarktungs-Plattform Gran Alpin anbauen.

Berggetreide ist ein Nischenprodukt», erklärt Curdin Caduff. Tatsächlich waren ursprünglich nur drei Landwirte aus dem Kanton Graubünden dabei, als 1987 die Genossenschaft Gran Alpin als Vermarktungs-Plattform für Bündner Bio-Berggetreide lanciert wurde. «2008 waren es aber schon 30 und heute sind es 100 Landwirte», erklärt Gran Alpin-Geschäftsführerin Maria Egenolf.

Das Berggetreide-Sortiment reicht von Weizen über Roggen bis zu Hirse, Buchweizen, Gerste, Urdinkel und Nackthafer. Im kleinen Rahmen werden heute sogar Sorten-Anbauversuche mit dem traditionellen Bündner Polenta-Mais durchgeführt. Alles Bio.

Einer dieser Gran Alpin-Bauern ist der junge Landwirt Curdin Caduff aus Tartar GR. In weiten Kurven fährt das Postauto nach Tartar, das mit seinen 100 Einwohnern auf 995 m ü. M. nur einen Landwirtschaftsbetrieb hat.

Neben Caduff bewirtschaften sonst «nur» Bauern aus umliegenden Dörfern das Land. Die meisten Bewohner von Tartar arbeiten in Thusis, das nur zehn Auto-Minuten entfernt ist.


Curdin Caduff pflegt in Tartar neben seinen Angus-Kühen den Anbau von Weizen und Roggen. Auch wenn die Strukturen für den Berg-Ackerbau klein sind, die Bewirtschaftung aufwändig und der Ertrag der Getreidesorten zumindest in früheren Jahren auch mal mager ausfiel. Dies führte längere Zeit zum Rückgang des Berg-Ackerbaus im Kanton Graubünden.


«Freude am Ackern» ist es, was Curdin Caduff dazu motiviert, seit zwölf Jahren Getreide anzubauen. Begonnen hat er 2006 direkt nach der Landwirtschafts-Schule. «Mein Vater hat mich eigentlich immer machen lassen», betont er.


«Und heute stimmen auch die Erträge, das Klima ist auch für Getreide geeignet.» Tartar sei mit 850 mm Niederschlag pro Jahr eher trocken und das Dorf liege in einem Föhn-Tal. Der Süd-Einfluss sei aber für den Getreideanbau nicht schlecht. Die leichten Böden trockneten zwar rasch aus, aber «irgendwann ist der Regen noch immer gekommen».

Die Genossenschaft Gran Alpin zahlt einen guten Preis für das Bündner Bio-Berggetreide

Zu den klimatischen Bedingungen kommt der gute Preis, den Gran Alpin für das Getreide zahlt. Nach diversen Anbauversuchen auch mit anderen Getreiden wie Braugerste hat sich Caduff für Weizen und Roggen entschieden. Heute baut er für die Genossenschaft Gran Alpin auf vier bis fünf Hektaren Weizen und Roggen an.

Der junge Landwirt muss beim Anbau von Berggetreide verschiedene Herausforderungen meistern: «Der Anbau ist sehr witterungsabhängig und nur bis zu einer gewissen Höhe möglich», erklärt Curdin Caduff.


Die Mechanisierung ist ein entscheidender Faktor für den Berg-Ackerbau


Eine zusätzliche Herausforderung sei die Mechanisierung. Den Pflug habe er selber, ohne geeigneten Drescher könne man aber kein Getreide anbauen. Caduff mietet die Anbaugeräte wie Eggen, Sämaschinen oder Drescher von der lokalen Maschinen-Genossenschaft. Die Miete kommt zwar etwas teurer, «aber dafür kann ich das Getreide selber dreschen».


«Die Mechanisierung ist auch in der Unkrautbekämpfung ein entscheidender Faktor», betont Maria Egenolf. «Da die Landwirte das Unkraut mechanisch regulieren, ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.» Das Unkraut sei neben der Witterung eine der grössten Herausforderungen.


Nicht zuletzt sei auch die geeignete Sorte für den Standort wichtig. Curdin Caduff baut die Sorte Wiwa im Weizen und Rekrut im Roggen an. Die Herausforderung besteht darin, dass das Getreide nicht zu früh lagert. Eine gute Dünge-Gabe sorgt dafür, dass das Getreide kräftig genug ist, um nicht vor der Reife zu lagern. Sonst wächst Gras und Unkraut daraus hervor. «Ein bisschen soll es schon schön aussehen», meint Curdin Caduff schmunzelnd.
 

«Berg-Ackerbau ist interessant, aber nicht jedermanns Sache», erklärt Curdin Caduff in Tartar


Der Berg-Ackerbau kann für junge Landwirte attraktiv sein, erklärt Curdin Caduff, «aber man muss realistisch sein: Berg-Ackerbau ist nicht jedermanns Sache». Einigen Landwirten fehlt das Interesse, anderen das Know-how.


Ein Argument für den Berg-Ackerbau ist die aktuelle Agrarpolitik. Mit der AP14-17 werden mehr Gelder für die Landschaftsqualität gesprochen. Davon profitiert der Berg-Ackerbau. «Wenn die Direktzahlungen nicht so gut wären, würden weniger Landwirte Getreide in den Bergen anbauen.» Sobald die Direktzahlungen dafür zurückgehen, werde auch der Berg-Ackerbau zurückgehen.


Mit der jetzigen Situation ist Caduff zufrieden. Das Berggetreide wirft einen guten Ertrag ab und der Abnahmepreis stimmt. «Aber Berggetreide wird weiterhin ein Nischenprodukt bleiben.» Ein Nischenprodukt mit Potenzial. Denn wenn es zu einer Grenzöffnung kommt, haben die Landwirte mit Nischenprodukten die besten Chancen, dem Preisdruck zu widerstehen.

Bericht im August-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Laila Grillo
Bild: Jürg Vollmer
 

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