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Bekleidungs-Serie: Dicke Haut gegen die Kälte

Praxis-Tipps für Landwirte, die ihre Haut im Winter schützen wollen

· Landleben
Praxis-Tipps, damit die Haut der Landwirte die Winter-Kälte unbeschadet übersteht.

Draussen Schneesturm und klirrende Kälte, drinnen der feuchte Stall oder die trockene Heizungsluft in der Stube. Der Winter ist für die Haut des Bauern eine herausfordernde Jahreszeit. Damit die Haut diese Zeit unbeschadet übersteht, braucht sie Schutz von innen und aussen.

Viele winzig kleine Sicherheitskräfte gehen täglich für unser Äusseres an ihr Äusserstes: Zwei Milliarden Zellen sind ständig im Einsatz, um unsere inneren Organe zu schützen, schädliche Umwelteinflüsse von aussen abzuhalten und UV-Licht aus der Luft zu filtern.


Mit einer Oberfläche von zwei Quadratmetern und einem Gewicht von 3,5 bis 10 kg ist die Haut das grösste Organ des Menschen. Und sie trägt enorm viel Verantwortung: Eine ihrer wichtigsten Funktionen ist es, den Körper vor Austrocknung zu schützen. Und das nicht nur im Sommer.

Vor allem während der kalten Jahreszeit spielt Flüssigkeit am und im Körper eine wichtige Rolle. Zwar kommen wir bei niedrigen Temperaturen nicht so schnell ins Schwitzen – aber in kalter Luft ist der Feuchtigkeitsanteil kleiner als in warmer Luft.
Das heisst: Alleine durch unsere Atmung geht in der trockenen Winterluft enorm viel Flüssigkeit in Form von Wasserdampf verloren. Auch im Winter sollte man deshalb regelmässig trinken.

Gleichzeitig gerät der Hydrolipid-Mantel durch winterliche Temperaturen aus dem Gleichgewicht. Denn sobald das Thermometer unter acht Grad sinkt, machen die fettproduzierenden Talgdrüsen Feierabend. Die niedrigen Temperaturen reduzieren die Beweglichkeit der Lipide und der Fettfilm verteilt sich nicht mehr hinreichend auf der Haut.

Kälteschaden: Schmerzhafte Haut-Risse und im schlimmsten Fall Erfrierungen

Dass diese Kombination von äusserlichen Faktoren teils schmerzhafte Folgen haben kann, spürt im Winter auch der Landwirt Albert Steger aus Altstätten SG: Spröde Haut an Fingern und Nägeln, aufgeplatzte Lippen und eine laufende Nase gehören für ihn zum winterlichen Alltag. Typische Hinweise für einen unausgeglichen Feuchtigkeitshaushalt.
Was wie kosmetische Spielereien klingt, ist für Landwirte wie Steger, die im Winter ständig bissigen Winden ausgesetzt sind, nicht zu unterschätzen. Wer nicht aufpasst, dem drohen schmerzhafte Risse in der Haut, dauerhafte Reizungen und im schlimmsten Fall sogar irreparable Erfrierungen.
Eine Erfrierung ist ein örtlich begrenzter Schaden, der meist an ausgesetzten Körperstellen auftritt. Davon betroffen sind nicht nur Alpinisten, die bei -25 Grad auf die höchsten Berge der Welt klettern. Auch bei Landwirten kommen Faktoren wie kalter Wind, angeschlagene Haut und langer Aufenthalt im Freien zusammen. Schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann das zu schmerzhaften Erfrierungen führen.
Feine Justierungen an Maschinen ohne Handschuhe, schnell vom warmen Stall über den Hof ohne Mütze, stundenlanges Gehen in Gummistiefeln ohne Isolierung – Finger, Zehen, Ohren und Nase kommen besonders oft zu Schaden.

Finger, Zehen, Ohren und Nase: Im doppelten Sinne des Wortes besonders exponierte Körperteile

Das ist einfach zu erklären: Das Steuerzentrum für Temperatur- und Stoffwechsel-Regulation im Gehirn ist der Hypothalamus. Dieser steuert die Blutzirkulation so, dass der Körperkern geschützt wird.
Der Hypothalamus drosselt die Wärme-Abgabe nach aussen und erhöht die Wärme-Bildung nach innen. So bleibt die Kerntemperatur von etwa 37 Grad Celsius erhalten. Im nächsten Schritt verengen sich die Blutgefässe in der Haut und den Extremitäten und die Durchblutung an diesen Stellen nimmt ab.

Unsere Extremitäten sind gegenüber Temperatur-Abweichungen nach unten zwar temporär relativ tolerant. Die Finger, Zehen, Ohren und Nase ertragen ungeschützt während einer gewissen Zeit Temperaturen bis zu
10 Grad und tiefer.

Dauerhaft ungeschützte Extremitäten können zu einer Schädigung des Gewebes führen: Je nach Grad der Erfrierung mit grau-weisser über rot-bläuliche bis zu blau-schwarzer Verfärbung der Haut. Im letzten Fall stirbt auch das darunterliegende Gewebe ab.

Bei Erfrierungen sofort handeln: In die Wärme gehen, Kleider ausziehen und Körper aufwärmen

Wenn ein Landwirt bei der Arbeit seine Extremitäten nicht mehr spürt, sollte er schnell handeln. Und mit schnell ist sehr schnell gemeint: Sofort an einen warmen Ort gehen, Kleidung ausziehen und die betroffenen Stellen langsam erwärmen.

Ideal ist ein langes Bad in lauwarmem Wasser. Denn ein zu schnelles und hitziges Vorgehen kann gefährlich sein: Erfrorene Haut ist ohne Gefühl. Am offenen Feuer, in heissem Wasser oder unter einem Föhn kann man zusätzlich Verbrennungen bekommen, die erst später offensichtlich würden.

Mit dem Dreischichten-Prinzip kann der Landwirt seine Körpertemperatur regulieren

Soweit sollte es aber gar nicht erst kommen. Deshalb hält sich Landwirt Albert Steger im St. Galler Rheintal bei der Arbeit in der Kälte an gewisse Ausrüstungs-Regeln. An erster Stelle geht es darum, den Körper auf eine konstante Temperatur von 37 Grad Celsius zu regulieren. Dafür eignet sich das sogenannte Dreischichten-Prinzip.
Damit ist zumindest das Körperzentrum auf der sicheren Seite. Was passiert aber mit dem «Rest», der nicht unter der Jacke liegt? Wo am meisten Wärme entweicht, zeigt eine Wärmebild-Kamera.
Der Kopf ist die wärmste Stelle des Körpers, also geht da am meisten verloren? Ein Mythos, der sich schon lange hält. Fakt ist aber: Der Kopf verliert nicht mehr oder weniger Wärme als jeder andere Körperteil, der unbedeckt ist.
Würde man nackt im Schnee stehen, würden Wärmebild-Kameras am ganzen Körper eine gleichmässige Wärme-Abgabe zeigen. Auf den Kopf gehört trotzdem eine Mütze. Die Ohren haben nämlich kein Muskelgewebe, das vor Auskühlung schützt.

Die Hände eines Landwirtes können zupacken – sie sind aber besonders kälteanfällig

Ähnlich wie bei den Ohren verhält es sich mit den Händen. Dünne Haut, kaum Muskulatur und eine fehlende Fettschicht machen Finger und Hände besonders kälteanfällig.
Arbeitet Albert Steger ohne Handschuhe an kaltem Metall, spricht man von Kontakt-Kälte. Berührt er mit warmen Fingern das Metall, geht die Wärme durch die gute Leitfähigkeit des Materials vom Finger in das Metall über. Dort wird sie aber sofort abgeführt und verteilt. Die Berührungs-Stelle nimmt nicht die Temperatur des Fingers an, sondern bleibt kühl und entzieht dem Finger somit Wärme.
Das Resultat: Kaum bis kein Gefühl in den Fingern und eine eingeschränkte Motorik an den Händen. Schlecht für feine Arbeiten oder kontrolliertes Bedienen von Maschinen.
Um das Warmluft-Ventil an den zupackenden Händen eines Landwirtes abzudichten, braucht es wintertaugliche Handschuhe. Was wintertauglich ist, hängt primär von den Umweltbedingungen und der Tätigkeit ab. Denn die Anforderungen Schutz-Handschuhe sind vielfältig:
  • Kuschlige Woll-Handschuhe reichen zwar für einen Spaziergang. Bei der Arbeit in Regen, Schnee oder Wasser verlieren sie schnell ihre isolierende Wirkung.
  • Arbeits-Handschuhe aus Leder bieten robusten Schutz bei mechanischer Beanspruchung und leichter Wärmeentwicklung. Sie sind aber nur bedingt für den Umgang mit Feuchtigkeit geeignet.
  • Handschuhe aus Kunstfaser eignen sich für Tätigkeiten in nass-kalten Bereichen. Sie haben oft eine wasser- und atmungsaktive Membran, die Nässe von aussen abhält und Schweiss in Wasserdampf-Form nach aussen ablässt.
Grossen Einfluss auf die Regulierung der Körpertemperatur haben auch die Füsse. Da luftgefüllte Zwischenräume gegen Kälte isolieren, sollten Arbeitsschuhe für den Winter eine Nummer grösser sein. Denn nur wo Blut fliesst, findet wärmende Durchblutung statt.
Von Vorteil ist eine isolierte Sohle, respektive dicke Schaum-Zwischensohle mit Aluminium-Beschichtung. Diese reflektiert die vom Boden aufsteigende Kälte. Ansonsten lässt sich der Schuh auch mit einer gefütterten Thermo-Einlegesohle nachrüsten.
Für Albert Steger stellt sich im Winter nicht nur die Frage, wie er Haut und Extremitäten mit Hilfe der passenden Kleidung schützen kann. Aus Erfahrung weiss der Landwirt, dass der Körper auch von innen heraus angetrieben und belebt werden kann.

Antrieb von innen: Getränke und Nahrungsmittel bringen den Körper in Fahrt

Generell hat der Mensch im Winter weniger Durst als im Sommer. Doch die trockene Kälte draussen und überheizte Räume drinnen entziehen dem Körper Flüssigkeit. Da heisst es: trinken! Die empfohlene Menge liegt bei mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag – idealerweise warme Getränke.
Auch ein angepasster Speiseplan hilft dem Körper, besser mit den niedrigen Temperaturen umzugehen und leistungsfähig zu bleiben. Natürliche «Einheizer», die den Kreislauf samt Blutzirkulation effektiv in Schwung bringen, sind zum Beispiel:
  • Warme Speisen mit vielen Gewürzen
  • Vitamin-C-haltige Lebensmittel wie Zitrone, Orange oder Grapefruit
  • Gewürze wie Ingwer, Zimt oder Knoblauch
Wer ständig in Bewegung bleibt, der lässt auch sein Blut – und damit auch die Haut – nicht zur gefährlichen und frostigen Ruhe kommen.
Solange Landwirt Albert Steger sich von aussen schützt und von innen belebt, muss er den Winter im St. Galler Rheintal nicht fürchten – den Nebel kann er aber auch damit nicht vertreiben.

Text: Barbara Meixner
Bild: Alex Buschor

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