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Andermatt Biocontrol verdoppelt sich alle 5 Jahre

Die Andermatt Holding mit Sitz in Grossdietwil LU umfasst weltweit 13 Firmen in verschiedenen Segmenten des biologischen Pflanzenschutzes und der biologischen Tiermedizin

· Pflanzenbau
Die Andermatt Holding ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich biologischer Pflanzenschutz. Bereichsleiter Martin Günter gibt einen Einblick in die DNA der Andernatt Holding.

Die Andermatt Holding ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich biologischer Pflanzenschutz. Angefangen hat alles in einer Studentenwohnung mit der Entwicklung eines Apfelwickler-Granulosevirus-Präparates. Ein Einblick in die DNA der Andermatt Holding.

Das Dorf Grossdietwil ist mit seinen 850 Einwohnern nicht der Ort, an dem man eine international tätige Firma erwartet. Und doch laufen hier bei Willisau LU seit 30 Jahren die Fäden der international erfolgreichen Andermatt Holding zusammen.

«Der Standort Grossdietwil passt für uns», erklärt Martin Günter. Er ist als Bereichsleiter seit 15 Jahren für die Andermatt Holding tätig und weiss, dass das Unternehmen im Zentrum der Schweiz gut aufgehoben ist. «Mitarbeiter haben wir bis jetzt immer genug gefunden. Dies nicht zuletzt, weil sich die meisten stark mit unserer Arbeit identifizieren. Und: Wir haben hier Platz, um zu wachsen.»

Diesen Platz braucht es auch: Die Andermatt Holding hat in den letzten 30 Jahren ganze neun Mal ihre Kapazitäten erweitert. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Der Erfolg hat zwei Gründe: Erstens bewegt man sich in einem jährlich um rund 15 Prozent wachsenden Markt, andererseits vermag man sich durch geschickte Investitionen mit Erfolg gegen die aufkommenden Konkurrenten zu behaupten.

Übernehmen oder übernommen werden – die Andermatt Holding ist klein, aber stark genug

Dass die Firma auf gutem Weg ist, zeigen die Geschäftszahlen – und der Umstand, dass grosse Mitstreiter in der Pflanzenschutzmittel-Branche die Holding übernehmen möchten.

Bei Andermatt ist man aber stolz darauf, ohne fremde Investoren erfolgreich am Markt bestehen zu können. «Die Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig. Sie ermöglicht uns ein organisches Wachstum und nachhaltige Investitionen», erklärt Günter. So ist die Andermatt Holding seit Juni 2018 Mehrheitsaktionärin der deutschen Biofa AG. Ein strategisch wichtiger Schritt: «Für uns ist es zentral, dass wir international gute Partner haben, die uns helfen, unsere eigenen Produkte zu vertreiben. Im Gegenzug können wir mit deren Produkten unser Sortiment für die Schweiz erweitern und bleiben so attraktiv für unsere Landwirte», erklärt Günter.


Die Zielgruppe der Andermatt Holding sind übrigens keineswegs nur Bio-Landwirte. Drei Viertel vom gesamten Umsatz wird mit konventionellen Landwirten erzielt.


Die Andermatt Holding sieht die Agrar-Initiativen als Chance für die Schweizer Landwirtschaft


Dieser Teil der Schweizer Kundschaft von Andermatt steht aktuell unter massivem politischem Druck. Die Trinkwasser- und die Pestizidverbots-Initiative wollen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln massiv einschränken oder gar verbieten.


Die Andermatt Holding verfolgt den Abstimmungskampf interessiert. Aktiv in die Debatte eingreifen will man aber nicht: «Unsere Kompetenz ist die Herstellung und der Handel mit wirksamen biologischen Pflanzenschutzmitteln sowie die Beratung», erklärt Günter.


Er räumt aber ein, dass die Initiativen für die Andermatt Holding durchaus eine Chance sind. «Natürlich nur, sofern biologischen Pflanzenschutzmittel nicht unter den Begriff Pestizide fallen», präzisiert er.


Günter nimmt die Haltung der landwirtschaftlichen Organisationen in dieser Debatte als abwehrend wahr. «Ich denke, dass vieles bereits heute möglich wäre. Sei es über die biologische Produktion, aber auch im Rahmen der heutigen integrierten Produktion.»


Zwar gebe es noch Lücken, die geschlossen werden müssen. Zum Beispiel bei der Drahtwurm-Bekämpfung im Kartoffelanbau. Es gibt alternative Konzepte zur Chemie, die gemäss Günter oft nicht bis zur Praxis durchdringen.
Fundamental wichtig wäre deshalb für Günter, dass die Beratung zwischen Forschung und Praxis eine Brücke schlagen kann. Dann wäre schon viel erreicht.


Die Zulassung neuer Mittel ist so teuer, dass man sich die Sache gut überlegen muss


Eine weitere Herausforderung für die Andermatt Holding ist die Zulassung neuer Mittel. «Eine Neuzulassung kostet uns mehrere Millionen Franken. Da müssen wir vorher sehr gut überlegen, ob wir ein Mittel tatsächlich entwickeln wollen oder nicht», so Günter.


Dies ist mit ein Grund, weshalb er den politischen Druck auf die chemische Pflanzenschutzmittel-Industrie auch als Chance sieht.


«Wenn nur ein Teil dessen, was in die Forschung für die chemischen Produkte investiert wird, neu für die Suche nach biologischen Pflanzenschutzmitteln ausgeben würde, dann wären enorme Schritte nach vorn möglich», ist Günter überzeugt. Diese Schritte nach vorn gehen für Günter in Richtung ökologischem Anbau. «Es ist ein echtes gesellschaftliches Bedürfnis. Das zeigen die Wachstumszahlen des Gesamtmarktes. Das zeigt aber auch die Tatsache, dass Volksinitiativen wie die Trinkwasser-Initiative überhaupt erst zustande kommen.»


Wenn die chemische Pflanzenschutz-Industrie auf den biologischen Zug aufspringen würde, hätte die Andermatt Holding mit einer verstärkten Konkurrenz-Situation zu kämpfen. Eine Gefahr für den Betrieb? «Wir sind der chemischen Industrie punkto Erfahrung voraus. Der biologische Pflanzenschutz geht nicht vom Prinzip der «Breitbandlösungen» aus. Es braucht eine ganzheitliche Betrachtungsweise, und diese ist nicht so einfach zu kopieren», ist Günter überzeugt.


Mit Swissness punktet die Andermatt Holding im internationalen Geschäft


Für den Export ist die Schweiz als Produktions-Standort teuer. Umgekehrt sei das Gütesiegel «Made in Switzerland» bei den Kunden immer noch eine Qualitäts-Garantie. Die Kosten muss man dennoch im Griff haben, weil billige chinesische Anbieter auf den Markt drängen. Zu diesem Zweck versucht man bei Andermatt, die Produktion so weit als möglich zu rationalisieren. «Wir haben dafür eigens Maschinenbauer und Automationsingenieure angestellt, die massgeschneiderte Lösungen für unseren Betrieb austüfteln», verrät der Bereichsleiter. So will man weiterhin in der Schweiz produzieren und am Standort Grossdietwil festhalten. Für die Zukunft des Konzerns ist Günter guter Dinge. Nebst Andermatt Biocontrol entwickeln sich auch Andermatt Biogarten und Andermatt BioVet gut. Im Aufbau begriffen ist die Sparte Entomos, welche auf Insekten für die menschliche Ernährung und für die Bio-Chirurgie setzt. Hier sieht Günter zwar ein grosses Potenzial, der Markt dafür muss sich aber noch entwickeln.


Wenn unsere Landwirtschaft die Ökologisierung als Chance nutzt, hat sie grosses Potenzial


Für die Landwirtschaft ist es das Ziel, weiterhin gesicherten Zugang zu einer breiten Palette hochwertiger Produkten für den biologischen Pflanzenschutz zu haben. Eine Herausforderung, insbesondere deshalb, weil grosse Unternehmen die kleineren Produzenten aufkaufen möchten.


Günter ist aber zuversichtlich, dass sich die Andermatt Holding im wachsenden Markt weltweit behaupten kann. Und bei den aktuellen politischen Turbulenzen wünscht er sich vor allem eines: Schritte hin zu einer ökologischeren Zukunft, aber mit angemessenen Übergangszeiten.


«Die Landwirte, die vor- und nachgelagerten Betriebe und auch wir brauchen Zeit, um uns anzupassen», so Martin Günter. Gelinge es der Branche, aus der Abwehrhaltung auszubrechen und sich bei der Tendenz zur Ökologisierung als Spitzenreiter zu positionieren, so biete das ein grosses Potenzial für die Schweiz.


Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text & Bild: Sebastian Hagenbuch
 

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