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Alpakas im Appenzellerland

· Tierhaltung
 Das Alpaka aus den südamerikanischen Anden hat im Appenzeller Hinterland eine neue Heimat gefunden.

Das Alpaka aus den südamerikanischen Anden hat im Appenzeller Hinterland eine neue Heimat gefunden. Die Familie Bischofberger in Schönengrund gehört zu den ersten Alpaka-Züchtern der Schweiz, die das «Vlies der Götter» scheren können.

Leichtfüssig galoppiert die Alpaka-Herde auf die Weide. Zu sehen ist ein buntes Gemisch: Die Farben der Tiere reichen von Weiss über alle möglichen Brauntöne bis zu Grau und Schwarz. Neugierig schauen die zierlichen Tiere mit einer Widerrist-Höhe von einem Meter über den Zaun.

Neugierig war auch Markus Bischofberger. Er hatte schon lange nach Tieren Ausschau gehalten, welche die Kühe und Schweine auf dem heimischen Hof ideal ergänzen. So entdeckte er die Alpakas auf einem Hof, auf dem er gerade für den Anlage-Bau im Einsatz war.

Markus Bischofberger investierte in die Zukunft und kaufte 2004 eine kleine Herde von 23 Alpakas

Nach einem Jahr Rechnen und Abwägen entschied sich die Familie Bischofberger 2004, Alpakas zu halten. «Die Schweiz war damals noch ein Quarantäne-Land», erzählt Bischofberger. Hier wurden die aus den Anden importierten Alpakas in Quarantäne gehalten und untersucht, bevor sie in andere europäische Staaten weiter reisen durften.

Aus Tieren in der Quarantäne-Station konnte Markus Bischofberger zusammen mit einem Kollegen seine erste kleine Herde zusammenstellen. «Von der Qualität der Wolle her waren das Welten zu heute», berichtet er. Heute sei die Qualität in Sachen Feinheit, Glanz und Struktur viel höher.

Trotzdem sei der Kaufpreis mit 10 000 Franken pro Tier damals sehr hoch gewesen. Heute sei der Preis auf 4000 bis 5500 Franken pro Tier gesunken. Markus Bischofberger investierte in die Zukunft und brachte 2004 eine kleine Herde von 23 Alpakas auf den Hof.


Nachdem der Kollege aus der Alpaka-Zucht ausstieg, beteiligte sich seine aus Australien stammende Frau Nyree an der Vergrösserung der Herde. Heute ist Nyree Bischofberger hauptsächlich verantwortlich für die Zucht, das Marketing und den Verkauf der Alpaka-Produkte.

Alpakas sind Neuwelt-Kameliden, deren Halter in der Schweiz den Sachkunde-Nachweis benötigen über zweijährige Alpakas gelten als 0,11 GVE. Seit 2008 ist in der Schweiz für die Alpaka-Haltung unter 10 GVE die Ausbildung als Landwirt EFZ oder ein Sachkunde-Nachweis nötig, der in einem anerkannten Halter-Kurs erworben werden muss.
Für das Tierseuchen-Recht muss sich der Alpaka-Halter zudem beim kantonalen Veterinäramt anmelden und erhält eine TVD-Betriebsnummer.

Die «Alpaka Appenzell»-Herde wird auf die beste Woll-Qualität hin selektioniert und gezüchtet

Wie andere Woll-Tiere können Alpakas auf Wolle gezüchtet werden. Die Wolle stand bei der Familie Bischofberger aber nicht von Anfang an im Fokus. «Als wir begonnen haben, war Alpaka-Wolle noch ein Fremdwort», erzählt Markus Bischofberger.

Welches Potenzial in der Wolle der Alpaka steckte, war 2004 in der Schweiz noch nicht bekannt. «Wir haben grosses Glück gehabt», erklärt Nyree Bischofberger, «dass unsere ersten Alpakas das Merkmal der Woll-Qualität genetisch in sich trugen».

Seither haben Nyree und Markus Bischofberger die Zucht stetig verbessert und besonderes Augenmerk auf die Woll-Qualität gelegt. Heute zählen ihre Alpakas in der Schweiz zu den Zucht-Tieren mit der besten Woll-Qualität. Die Familie Bischofberger steht seit Jahren im Austausch mit anderen Züchtern und importiert Alpakas aus Australien oder England, um frisches Blut in die Herde reinzubringen.

Die Alpaka-Stuten sind das ganze Jahr über fähig, gedeckt zu werden. Die Ovulation wird erst durch den Deckakt ausgelöst. Die nachfolgende Tragzeit beträgt 340 Tage. Danach bringt das Weibchen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt, das sechs bis acht Monate gesäugt wird.

Immer Ende Mai werden die Alpakas geschoren. Die Familie arbeitet mit einem professionellen Scherer aus Neuseeland zusammen, der die Tiere routiniert und schnell von der Wolle befreit.

Der Ertrag liegt bei drei bis sechs Kilogramm pro Tier und Jahr. Direkt nach dem Scheren wird die Wolle nach ihrer Feinheit von Hand verlesen und zum Waschen geschickt. Das Karden der Wolle sowie die Verarbeitung erfolgen an zwei weiteren Orten.


«Im Gegensatz zum Ausland brauchen wird in der Schweiz drei verschiedene Verarbeiter, was die Sache nicht einfacher macht», erklärt Markus Bischofberger. Die gereinigte und gekardete Wolle wird den Endkunden zum Spinnen oder Filzen weiter verkauft – oder schon als Garn gesponnen im Wollknäuel.


«Beim Alpaka musst du die ganze Geschichte selbst in die Hand nehmen», erklärt Markus Bischofberger. Beim Handel und dem Verkauf von Alpakas gibt es keine dazwischen geschalteten Händler.

Die etwas gröbere Wolle wird in Duvets verpackt und entweder über den eigenen Hof-Laden in Schönengrund oder über das Zentrallager ihrer Partner in Bern unter der Marke «Best Alpaca Bedding» an die Endkunden verkauft. Im Hof-Laden bietet die Familie Bischofberger aber viele weitere Produkte an, um alle Kundenbedürfnisse abzudecken.

Die eigene Wolle ergänzt der «Alpaka Appenzell»-Hof mit Produkten aus dem Alpaka-Heimatland Peru: Strickwaren vom Poncho bis zu Handschuhen, Sitzauflagen aus Alpaka-Fell, kuschlige Teddybären und vieles mehr. Diese Produkte produziert ein kleines Partner-Unternehmen in Peru. Die Mitarbeiter in Peru erhalten dafür einen fairen Lohn.

Die Schweizer Konsumenten entdecken das Alpaka-Fleisch, das fettarm und geschmackvoll ist

Neben den Woll-Produkten vom eigenen Hof und aus Peru verkauft die Familie Bischofberger in ihrem Hof-Laden in Schönengrund auch das Fleisch ihrer Tiere. Alpaka-Fleisch ist fettarm und enthält wenig Cholesterin. Die Konsistenz ist vergleichbar mit Wild. Der Geschmack ähnelt dem von Straussen-Fleisch. Es ist zart, saftig und geschmackvoll, weshalb immer mehr Schweizer Konsumenten das Alpaka-Fleisch für sich entdecken.

Nach den Führungen auf dem «Alpaka Appenzell»- Hof können die Besucher die Fleisch-Produkte des Alpakas probieren. Das Fleisch wird von einem Metzger gleich im Dorf verarbeitet. «Wir haben etwa zwei Jahre mit ihm geübt, bis das Fleisch so verarbeitet war, wie wir es gerne hätten», schmunzelt Markus Bischofberger.

Für die Vermarktung sei es wichtig, dass man immer präsent sei, betont Nyree Bischofberger. Es sei wichtig, sich den Leuten zu zeigen, damit die Kunden einem wahrnehmen. Marketing und Produkte-Verkauf nehmen deshalb fast mehr Zeit in Anspruch als die eigentliche Tier-Betreuung.

Die Familie Bischofberger schaut aber positiv in die Zukunft und entwickelt immer wieder neue Produkte. So soll demnächst die Produktion von Teppichen aus Alpaka-Wolle beginnen.

Text: Laila Grillo

Bild: Mareycke Frehner

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