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Strohpellets: Herstellung und Einsatz

Strohpellets als Einstreumaterial haben Potenzial. Davon ist Lohnunternehmer Res Fiechter aus Kappelen BE überzeugt. Auf seinem Betrieb steht seit 2019 mit der Premos 5000 von Krone die schweizweit einzige Pellets-Presse.


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Kurz & bündig

  • Lohnunternehmer Res Fiechter setzt die erste und einzige Pellets-Presse der Schweiz ein.
  • Die Erfahrungen aus dem ersten Jahr waren positiv.
  • Fiechter ist auch als Tierhalter von den Vorzügen der Pellets überzeugt.
  • Mit Pellets können Einstreumenge, Arbeitsaufwand und Lagerplatz eingespart werden.
  • Die Presse Premos 5000 ist sowohl auf dem Feld wie auch stationär im Einsatz.

Pressen ist ein Kerngeschäft der Fiechter Lohnunternehmung vom Werdthof in Kappelen BE. Sieben Grossballen-Pressen für Rund- und Quaderballen sind während der Saison im Einsatz. Seit letztem Jahr ergänzt eine Besonderheit den Fuhrpark von Inhaber Res Fiechter: Die Pellets-Presse Premos 5000 von Krone. Es ist der einzige Pellets-Vollernter in der Schweiz. Auch weltweit sind erst wenige Exemplare im Einsatz.

Was kann die Maschine? «Sie presst direkt auf dem Feld oder auch im stationären Einsatz auf dem Hof Halmgüter wie Stroh oder Heu zu gebrauchsfertigen Pellets», erklärt Res Fiechter.

Pellets entstehen bei einem Druck von über 2000 Bar

Das funktioniert so, dass das Stroh wie bei einer normalen Presse über ein Pickup aufgenommen und via Rotor auf ein Zuführband gebracht wird. Dann folgt der Clou: Das Stroh wird mit über 2000 Bar Druck von zwei grossen Matrizen-Walzen – jede davon wiegt rund 1300 kg – zu Pellets gepresst.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Premos nichts für schwache Schlepper ist. «Heuer setzen wir einen Fendt 942 an der Premos ein», erklärt Res Fiechter. Benötigt werden für die Pellets-Presse mindestens 360 PS Leistung. Alles, was mehr ist, kann in schnellere und bessere Arbeit umgesetzt werden. Punkto Gewicht hat der Lohnunternehmer keine Bedenken: «Wir gehen mit der Premos im Sommer aufs Feld, wenn es sehr trocken ist. Da werden die Böden ebensowenig verdichtet wie beim stationären Einsatz auf den Betrieben.»

Er weiss allerdings, dass manche Bauern über die Grösse des Traktors erstaunt sind. «An 200 PS-Traktoren an den Pressen hat man sich mittlerweile gewöhnt. Jetzt müssen wir manchmal erklären, weshalb wir an der Premos einen nochmals deutlich grösseren Traktor brauchen», so Fiechter.

Als Tierhalter auf die Premos-Pellets aufmerksam geworden

Wie kam es überhaupt dazu, dass die erste und einzige Pellets-Presse der Schweiz in Kappelen BE steht? Nebst dem Lohnunternehmen bewirtschaftet Res Fiechter einen Landwirtschaftsbetrieb mit 20 Hektaren Fläche und 13'000 Legehennen. «Im Jahr 2016 haben wir bei unseren Legehennen Versuche mit diversen Einstreumaterialien durchgeführt», erinnert sich Fiechter. Dabei ist er auf die Premos-Strohpellets gestossen. «Das Produkt hat uns in erster Linie als Tierhalter überzeugt. Wir hatten fünf Prozent weniger Knick- und Schmutzeier, und auch das Zehen- und Federpicken konnte reduziert werden», gibt Fiechter Auskunft.

Erste Tests mit der Pellets-Presse im Jahr 2017

Im Dezember 2017 war erstmals eine Premos 5000 auf seinem Betrieb, es begann eine Reihe von Tests: Welche Halmgüter eignen sich, welche nicht? Wie muss das Stroh beschaffen sein? Wie sollen die Pellets nach dem Pressen gelagert werden?

«Wir mussten viel lernen und haben auch einige Fehler gemacht», sagt Fiechter und lacht. So habe man beispielsweise die noch warmen Pellets direkt nach dem Pressen in Big Bags verpackt. «Am nächsten Morgen war die oberste Schicht Pellets aufgequollen vom Kondenswasser», erinnert er sich. Nach dem Pressen müssen die Pellets während 24 Stunden auskühlen können, beispielsweise in einem Kipper oder lose an einem Haufen.

Im Sommer 2019 konnte Fiechter erstmals mit seiner Premos 5000 aufs Feld. Fahrer Pascal Hess erinnert sich: «Grundsätzlich lief die Maschine zufriedenstellend.»

Hoher Anspruch an die Strohqualität für die Pellets

Wie muss das Stroh beschaffen sein, damit sich Pellets von bester Qualität herstellen lassen? Dazu Pascal Hess: «Das Stroh muss bereits bei der Ernte reif sein und anschliessend richtig getrocknet werden. Es ist in etwa vergleichbar, wie wenn Häckselstroh mit der Quaderballenpresse hergestellt werden soll», so der gelernte Landwirt.

Im letzten Jahr konnte Hess rund 300 Tonnen Pellets ab Feld pressen. «Der Ertrag ist sehr unterschiedlich. Von 2,5 bis 5 Tonnen Pellets pro Hektare war alles dabei», sagt Pascal Hess. Wichtig sind für ihn als Fahrer nebst trockenem, reifem Stroh auch gleichmässige und nicht zu grosse Schwaden. Nach dem Feldpressen kam der Pellets-Vollernter auch noch stationär zum Einsatz. Der bisher einzige Ballenauflöser – ein Prototyp – war hierzu im Januar 2020 für drei Wochen bei Fiechters auf dem Betrieb. Wiederum wurden Tests durchgeführt: Welches Stroh eignet sich besser, welches weniger gut für die Pellets?

«Gutes Stroh ist das A und O für gute Pellets», erklärt Res Fiechter. «Wie überall gilt: Wenn das Ausgangsmaterial nicht stimmt, gibt es auch qualitativ kein gutes Endprodukt.» Wurde das Stroh in den Quaderballen beispielsweise zu feucht gepresst, sind auch die Pellets nicht optimal. Ausser Raps sind alle Stroharten für Pellets geeignet. Auch aus Heu lassen sich gute Pellets herstellen.

Weshalb aber soll ein Landwirt auf Pellets anstatt Stroh in Form von Rund- oder Quaderballen setzen?

Je nach Tierart bringen Strohpellets unterschiedliche Vorteile. Generell lässt sich aber sagen, dass die Pellets ein sehr hohes Saugvermögen haben und um ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Grösse aufquellen können. Ein Kilogramm Pellets saugt bis zu vier Liter Wasser auf. Pellets finden Einsatz in Liegeboxen oder Tiefstreue bei Rindvieh, auf Schweinemastbetrieben, bei Hühnerhaltern oder auch als Einstreu für Pferdeboxen.

Nicht geeignet sind die Pellets in Hochboxen oder im Anbindestall ohne Stopprohr, da sonst zu hohe Einstreuverluste entstehen.

Einstreumenge und Arbeitsaufwand dank Pellets reduziert

Landwirt Marcel Gerber, der auch als Aushilfe bei der Fiechter Lohnunternehmung beschäftigt ist, setzt die Pellets auf seinem Betrieb ein: «Ich halte Mutterkühe und setze die Pellets in der Tiefstreue bei den Kälbern und in den Liegeboxen der Kühe ein. Vorher brauchte ich Häckselstroh und streute etwa alle zwei bis drei Tage frisch ein. Mit den Pellets reicht es, wenn ich einmal wöchentlich einstreue. Auch die benötigte Menge an Stroh hat sich deutlich reduziert.» Dadurch konnte er überschüssiges Stroh selber als Würfel verkaufen.

Wie sieht das Ganze wirtschaftlich aus? Abgerechnet werden die Pellets pro Tonne. Ab 5 Tonnen Pellets kostet die Herstellung 180 Franken pro Tonne. Damit ist die Herstellung im Vergleich zu Quaderballen rund drei Mal teurer.

Möchte ein Landwirt direkt Pellets bei Fiechter beziehen, ist das ab Beginn der Ernte 2020 wieder möglich. Die Pellets sind lose, in Big Bags oder 30 kg Säcken erhältlich, was sie auch für Hobbytierhalter attraktiv macht. Hier liegend die Preise bei 32 Fr./100 kg in Big Bags und bei 42 Fr./100 kg für gesackte Ware à 30 kg.

Pellets haben viele Vorteile gegenüber dem Stroh

Die reinen Kosten sind aber nur eine Seite der Medaille. «Entscheidend ist die Frage, welchen Nutzen der investierte Franken effektiv bringt», gibt Res Fiechter zu bedenken.

Die Pellets haben gemäss Fiechter viele Vorteile gegenüber dem Stroh. «Das Schüttgewicht ist mit rund 650 kg/m3 sehr hoch. Ein Big Bag wiegt rund eine Tonne, also gleichviel wie drei Quaderballen. Somit brauchen die Strohpellets bei der Lagerung deutlich weniger Platz.» Weitere Vorteile seien das Handling oder das gute Saugvermögen. «Zudem gibt mit es mit den Pellets keine Staubentwicklung, und es kann Aufwand beim Einstreuen gespart werden.» Entscheidend für die Zukunft des Schweizer Strohpellets wird nebst dem Markt auch der stationäre Einsatz sein. «Wenn wir in diesem Sommer den Auflöser bekommen, rechne ich damit, dass wir rund 25 Prozent unserer Pellets über den Schwad herstellen und die restlichen 75 Prozent beim stationären Einsatz, wo wir Quaderballen zu Pellets weiterverarbeiten», so Fiechter.

Limitierend für die Herstellung ab Schwad ist das kurze Zeitfenster bei der Ernte, da die Premos durchschnittlich eine Flächenleistung von einer Hektare pro Stunde erreicht.

Video

Zwei Erklär-Videos zu Pellets:

Mobile Löschanlage für Traktoren entwickelt

Jährlich gibt es schweizweit rund 50 Brände im Zusammenhang mit der Getreide- und Strohernte: Mähdrescher, Gross- und Rundballen-pressen – insbesondere solche mit Vorbauhäcksler – sind gefährdet.

«Diese Gefahr hat uns dazu bewogen, etwas für den Brandschutz dieser teuren Maschinen zu unternehmen«, erinnert sich Res Fiechter, Lohnunternehmer in Kappelen BE. Er ist selbst ein «gebranntes Kind»: Am 1. August 2011 brannte eine seiner Pressen. «Sie ist nachher trotz Revision nie mehr richtig gelaufen», erinnert sich Fiechter.

Fiechter überlegte lange, wie genau die ideale Löschanlage für seine Zwecke konzipiert sein könnte. Mit seiner Idee ging er zur Firma Feumotech, die Feuerwehrfahrzeuge und -aufbauten herstellt. Diese baut den Alligator 130, der von Fiechter vertrieben wird.

Die von Fiechter und Feumotech entwickelte Löschanlage Alligator 130 fasst 130 Liter Wasser und wird an die Fronthydraulik angebaut. Dank einer10 Liter Pressluftflasche, die zur Löschanlage gehört, funktioniert das System autonom ohne Unterstützung durch den Traktor. Mit der Zugabe eines Schaummittels, das dem Wasser die Oberflächenspannung nimmt, entstehen aus 130 Liter Wasser rund 900 Liter Löschmittel.

Die Löschanlage, die in gefülltem Zustand 180 kg wiegt, lässt sich dank eines Fahrwerks von Hand schieben, wenn sie nicht an den Traktor angebaut ist. Die Löschanlage Alligator 130 ist seit 2018 auf dem Markt. Bis heute hat Fiechter 35 Stück davon verkauft, davon drei nach Deutschland.

Bei Fiechter sind alle Traktoren, die zum Quaderballenpressen eingesetzt werden, mit einer Löschanlage bestückt. «Bisher haben wir den Alligator einmal im Ernstfall gebraucht. Der Einsatz war erfolgreich, wir konnten viel Schaden verhindern«, so der Lohnunternehmer.

Fiechter Lohnunternehmung, Kappelen BE

Inhaber: Res Fiechter

Betriebsfläche: 20 ha LN

Arbeiten: Pressen (Rundballen, Quaderballen, Maisballen, Pellets), Mähen, Zuckerrübenernte

Angestellte: 6 Vollzeit-Angestellte, 14 saisonale Aushilfen

 

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