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Betriebszweiggemeinschaften im Bereich Tierhaltung: Interview mit Christian Müller, Agroscope

Interview mit Christian Müller von Agroscope: Kooperationen sollte man auf «kleiner Flamme» testen – zum Beispiel als Maschinengemeinschaft.


Welche Vorteile ergeben sich aus einer Betriebszweiggemeinschaft im Bereich Tierhaltung?

Christian Müller: Durch die gemeinsame Nutzung des Stalls ergeben sich vor allem deutliche Grössenvorteile bei der Bewirtschaftung, weil der Arbeitsaufwand je Tier geringer ist. Das hat sehr grosse Auswirkungen auf den Arbeitsverdienst. Und auch Wochenend- oder Ferienablösungen sind prinzipiell möglich.

Gleichzeitig wird das Risiko der Investition auf mehrere Schultern verteilt, so dass die finanzielle und mentale Belastung des einzelnen Land-wirtes beziehungsweise der Landwirtin geringer ist.

Bauern arbeiten schon seit Hunderten von Jahren in Alpengenossenschaften zusammen. Und die Churwaldner Landwirte hatten in 15 Jahren Hunderte von Landwirten auf dem Betrieb. Wieso hat die gemeinsame Winterstall-Haltung trotzdem einen so schweren Stand?

Die gemeinsame Winterstall-Haltung ist kein Selbstläufer. Landwirte wirtschaften gerne selbstständig. Doch ein gemeinsamer Stall schafft auch Abhängigkeiten, mit denen man umgehen muss. Kommen dann noch zwischenmenschliche Konflikte hinzu, kann das Projekt schnell schief gehen.

Die Familienbetriebe wurden in den letzten zwanzig bis dreissig Jahren immer grösser – und damit auch die Verantwortung und Arbeitsbelastung. Burnouts bei Landwirten wurden immer häufiger. Sind Kooperationen wie in der Reportage eine mögliche Lösung?

Durch Kooperationen lassen sich Grössenvorteile nutzen oder etwa die Auslastung des Maschinenparks verbessern. Allerdings gibt es auch zusätzlichen Arbeitsaufwand durch die nötigen Absprachen und Koordination, so dass man sehr gut prüfen muss, ob eine Kooperation unter dem Strich mehr bringt. Burnouts bei Landwirten entstehen vor allem aus persönlichen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen.

Grössere Betriebe verdienen in der Regel mehr, haben mehr Möglichkeiten, Maschinen und Material gut auszulasten und Personal anzustellen. Darum ist es nicht so, dass Burnouts vor allem grosse statt kleine Familienbetriebe betreffen.

Welche Landwirte sollten diese Form der Kooperation in Betracht ziehen?

Je nachdem, welche Vorteile man sich erhofft, kann es sinnvoll sein, zu kooperieren. Man kann damit eine kritische Grösse erreichen, das Risiko für grosse Investitionen streuen, sich gegenseitig ergänzen und so weiter. Kooperationen können einerseits im Kleinen stattfinden, wenn man etwa befristet Flächen abtauscht. Andererseits können sie auch sehr grosse Ausmasse annehmen, wie im Beispiel des gemeinsamen Stalls.

Für eine erfolgreiche Kooperation braucht es vor allem ein gemeinsames wirtschaftliches Interesse sowie grosses Vertrauen untereinander. Nicht alles lässt sich vertraglich regeln und schriftliche Verträge sind nicht immer die beste Grundlage für eine Zusammenarbeit.

Auf was ist besonders zu achten?

Wichtig ist es zunächst, die Erwartungen gegenseitig offenzulegen, um Missverständnisse gleich am Anfang zu vermeiden. Und man sollte abklären, ob die Kooperationspartner am gleichen Strang ziehen. Wenn es möglich ist, dann sollte eine Kooperation erst einmal auf «kleiner Flamme» getestet werden, etwa in einer Maschinengemeinschaft.

Soll mehr daraus werden, sollten die Partner sich auch bei erfolgreichen und gescheiterten Kooperationen erkundigen, um vom Erfolg und aus den Fehlern anderer zu lernen. Während einer Kooperation ist es zentral, die Partnerschaft zu pflegen und das Vertrauen zu erhalten. Dazu könnte auch der gegenseitige Einblick in die Buchhaltung dienen.

Erfolgreich kooperierende Landwirten empfehlen auch, Pflichtenhefte zu erstellen, um Verantwortlichkeiten zu regeln. Zudem ist es sinnvoll, zu besprechen, wenn frei werdende Kapazitäten zum Beispiel für Nebenerwerb oder Betriebsvergrösserungen genutzt werden sollen.

Zur Person

Christian Müller ist bei Agroscope Leiter der Forschungsgruppe Unternehmensführung und Wertschöpfung.

Mitarbeit: Dierk Schmid

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